Leicht wie eine Feder

Kühnapfels Luftkissen sind ein erstaunlich filigraner Beitrag zur Geschichte der Stahlskulptur. Sie öffnen ein neues Terrain, was diesem Material kaum abzugewinnen war. Die Figuren des Künstlers scheinen zu fliegen und sich der Schwerkraft auf eine zauberhafte Weise zu entziehen. Bild: hfz

Bei Tony Cragg hat er studiert, seine Materialsicherheit verdankt er seinem Lehrer, der in den unterschiedlichen Feldern der Bildhauerei daheim ist. Allerdings verband etwas, was bisher als ganz unmöglich galt.

Stahlbildhauer Thomas Kühnapfel führte in die Skulptur die Verbindung von Stahl und Luft ein - ein Novum. Natürlich gibt es Stahl-skulpturen, die sich im Wind drehen. Aber dass die Gestalt einer schwergewichtigen Skulptur durch eingepresste Luft entsteht, ist ein bisher ungehörtes Ereignis. Das Ereignis selbst wirkt als eine grandiose Performance ungestümer physikalischer Kräfte.

Wie Ballons aufgeblasen

Die verschweißten Platten werden unter Druck wie Ballons aufgeblasen, nur ist der Widerstand des Materials ein anderer als die dünne Gummihaut herkömmlicher Luftballons - allein der Klang dieses eruptiven Events berichtet von den Gewalten, die hier auf ungewöhnliche Weise wirken. Die so entstandenen Skulpturen hinterlassen den Eindruck leichter, gefüllter Kissen, die jederzeit auffliegen können. Ihre Weichheit allerdings scheint dem Material zu widersprechen, das Auge sucht vergeblich nach der Lösung dieser eleganten Täuschung. Natürlich verändert sich das Material nicht, allein die tatsächlich durch Pressluft entstandene Form suggeriert Leichtigkeit, wo Schwere noch immer die Skulptur konstituiert.

Die auf Sockeln aufgelagerten oder ins Gras gelegten Stahlkissen wirken besonders im Freien. Die Skulpturen entziehen sich der ausbalancierten Schwere etwa von Richard Serras monumentalen Werken, die kaum etwas neben sich dulden. Kühnapfels Werke sind ab Samstag, 1. August, im Luftmuseum zu sehen. Die Ausstellung wird um 19.30 Uhr eröffnet und läuft bis Sonntag, 25. Oktober.
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