Leidenschaft für die Bücher

Eingehend hat sich Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger mit Hartmann Schedel, der ab 1477 Stadtarzt in Amberg war, befasst. Zur Ausstellung "Welten des Wissens", die die Provinzialbibliothek anlässlich Schedels 575. Geburtstag zeigt, hielt er einen Vortrag über das Ergebnis seiner Studien. Bild: usc

Für vier Jahre war von 1477 an Hartmann Schedel Stadtarzt in Amberg. Die Ausstellung "Welten des Wissens" in der Provinzialbibliothek würdigt sein Schaffen - als Mediziner, Humanist, Gelehrter und Sammler von Büchern.

Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger hat sich eingehend mit Schedels Wirken in Amberg befasst. Das Ergebnis seiner Studien präsentierte er in einem Vortrag. Anlass der Schau ist Schedels 575. Geburtstag. Der Stadtarzt war ein leidenschaftlicher Sammler, der vieles aufhob und kommentierte - in einer Vollständigkeit, die ihresgleichen sucht. Davon zeugen die in der Provinzialbibliothek gezeigten Werke, die nicht zuletzt auch aus seiner Amberger Zeit stammen, wie die Leiterin des Hauses erläuterte.

Die Bestellung eines Stadtarztes war vergleichbar mit der eines Stadtpfarrpredigers und nicht zuletzt eine Frage des Prestiges, und dies umso mehr, wenn dieser Hartmann Schedel hieß. Freilich, so Laschinger, konnte damals noch niemand die spätere Berühmtheit des Mannes ahnen. Für Laschinger war er einer der wichtigsten Büchersammler des Spätmittelalters. Fundgruben waren in seiner Amberger Zeit vor allem die umliegenden Klöster.

Umfassende Bibliothek

Schedels Bibliothek erfasste fast alle Wissensgebiete seiner Zeit: Rhetorik, Astronomie, Philosophie, antike und humanistische Literatur, Geschichtsschreibung, Geografie und Kosmographie, Medizin, Jura und Theologie. Gleichzeitig wird er in seinen Büchern als Person fassbar. Dazu tragen eigenhändige Einträge in seinen Hauskalendern und Büchern genauso bei wie eine autobiographische Skizze in dem von ihm angelegten Schedelschen Familienbuch.

Weniger Beachtung hat laut Laschinger in der Forschung zu Hartmann Schedel bislang seine berufliche Tätigkeit als Arzt gefunden. Diese sei von nicht zu unterschätzender Bedeutung für das Verständnis des Humanisten in seiner sozialen Umwelt. So gehört die Zeit als Amberger Stadtarzt zu den noch relativ unbekannten Abschnitten des Lebenswegs. Eine von ihm in seinen Amberger Jahren erworbene Inkunabel dokumentiert seine Kontakte vor Ort. Ein 1472 in Rom erstellten Wiegendruck enthält auf einem nachgebundenen Pergamentblatt Notizen des Vorbesitzers, Dr. Peter Münch, Pfarrer von Amberg, wonach er den Druck dem Nürnberger Doktor der Künste und der Medizin, Hartmann Schedel, vermacht hat.

"Führe mit Würde"

Auf diesem Blatt überliefert Schedel auch den Text des Epitaphs, das einem 1489 verstorbenen Pfarrer errichtet worden war und heute nicht mehr erhalten ist. Laut Laschinger erwarb der Mann in seiner Amberger Zeit auch medizinische Fachliteratur. Der Stadtarzt habe sich zudem mit Astronomie beschäftigt. Dies verband ihn mit Kloster Reichenbach, wo die Sternenkunde besonders gepflegt wurde. Vielleicht blieb Amberg in Schedels Erinnerung mehr als nur ein Ort auf der Romweg-Karte des Erhart Etzlaub. Denn den Holzschnitt mit der Karte hatte er in sein Exemplar des 1493 in Nürnberg gedruckten "Liber chronicarum" geklebt, in dem sich sein Wappen und die seiner Ehefrauen, das Motto "Duce virtute - comite fortuna" (Führe mit Würde und freue dich des Glücks) sowie sein Monogramm finden.
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