Leuchtturm oder Wolkenkratzer? St. Martin strahlt in neuem Licht

Klar, wir Amberger sind stolz auf unseren Martinsturm. Schließlich ist er das Wahrzeichen der Stadt. Aber als solches ist er zurzeit kaum wahrnehmbar. Eine weiße Plane verhüllt den 92-Meter-Riesen bis auf die Kuppel ringsum. Darunter trägt er ein Baugerüst und wird umfassend saniert. Einerseits zum Erhalt des Denkmals schön, andererseits von außen weniger schön anzuschauen. Außer, ja außer, man nimmt das Ganze ganz anders wahr: Das Wahrzeichen in neuem Licht nämlich. Die weiße Plane auf fast voller Höhe lässt es beinahe aussehen wie einen Wolkenkratzer. Vor allem bei Dunkelheit entsteht aus gewisser Entfernung dieser Eindruck. Weil man da nicht sofort die Turmspitze durchblitzen sieht und das Dach des Kirchenschiffs auch eher im Finstern liegt. Da schaut also unser Turm aus wie ein Wolkenkratzer, zumal er nachts auch noch angestrahlt wird. Da kennen wir Amberger nämlich nix: Einmal Wahrzeichen - immer Wahrzeichen. Und wenn wir die Chance haben, unseren guten alten, leicht lädierten Martinsturm mal als schickes Hochhaus zu verkaufen, dann tun wir das. Weil wir ja eine moderne Stadt sind, die das ruhig mal weithin sichtbar zeigen darf. Mit unserem Martins-Tower, der einen Hauch von New York hat. Wie gesagt, besonders nachts ist diese Illusion nahezu perfekt. Vielleicht hat aber auch nur jemand vergessen, das Licht auszuschalten während der Sanierungsphase, wenden jetzt die Pessimisten ein. Wäre auch eine Erklärung, aber die langweiligere. Lieber sind wir noch ein Jahr lang stolz auf Martins-Tower-Power - auf unseren "Leuchtturm" mitten in der Altstadt. So lange dauern die Sanierungsarbeiten nämlich noch, wenn nicht irgendein Spielverderber unseren frotzelnden Artikel zum Anlass nimmt, das Licht doch mal auszuknipsen. Um Strom zu sparen oder so. Oder um Amberg etwas anderes zu ersparen: einen kleinen Schildbürgerstreich, der im wahrsten Sinn des Wortes von oben kommt. Apropos: Christo, der Gebäude-Verhüllungskünstler, hat mit der Sache nichts zu tun. Eher schon Christus, dem es vielleicht gefällt, dass seine Kirche in Amberg mal ganz neu erstrahlt. So eine weiße Weste trägt sie ja nicht alle Tage. (ath) Bild: Petra Hartl
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