Lewis statt Juan Carlos

Sommer 1992, olympische Spiele in Barcelona. Ingo Pawelke ist live dabei. Im gleichen Jahr ist die Traumfabrik ist bei der Weltausstellung in Sevilla. Auch der spanische König ist dort. Der Neid, dass seine Schwestern Juan Carlos getroffen haben, hält sich für Ingo Pawelke in Grenzen.

Ingo Pawelke war damals ein glühender Leichtathletik-Fan. Dass er Carl Lewis, einen der erfolgreichsten Leichtathleten der Sportgeschichte, sah, entschädigte ihn dafür, den spanischen König nicht getroffen zu haben. Mehr noch: "Ich habe dessen Shirt gefangen", sagt er heute noch mit glücklicher Stimme über diesen einzigartigen Moment. Ingo Pawelke ist mit der Traumfabrik groß geworden. "Sie hat meine Kindheit und Jugend sehr geprägt", sagt er selbst. Kein Wunder: Schließlich ist sein Vater der Gründer, der mit diesem Projekt eine Erfolgsgeschichte geschrieben hat, die anhält - bis heute.

Eigene Kindergruppe

Ingo Pawelke war sechs Jahre alt, als er 1981 mit der Traumfabrik erstmals auftrat. "Wir hatten eine Kindergruppe, da war ich dabei", erzählt er. Wenn er in seinen Erinnerungen kramt und an seine Anfänge im Ensemble zurückdenkt, fällt ihm die Deutschland-Tournee 1981 ein. Die Traumfabrik hatte eine eigene Kindergruppe mit im Programm. "Wir waren 24 Kinder, ich war der Jüngste", erzählt er und fügt lachend an: "Na ja, mich als süßen Kleinen hat man immer ganz nach vorne geschickt." Eine schöne Zeit sei die Deutschland-Tournee gewesen, "aufregend, spannend, lustig".

Offizieller Expo-Beitrag

Einer der Höhepunkte war zweifelsohne, als die Traumfabrik bei der Weltausstellung in Sevilla 1992 den offiziellen deutschen Kulturbeitrag zur Expo inszenierte - der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker war ebenso anwesend wie Spaniens Regent, König Juan Carlos, der heuer im Sommer abgedankt hat. "In Sevilla war ich nicht dabei", sagt Ingo Pawelke. Mit von der Partie waren seine beiden Schwestern, dreieinhalb und fünf Jahre älter als er. Ingo Pawelke hatte aber trotzdem sein spanisches Highlight, er sah die olympischen Sommerspiele im gleichen Jahr in Barcelona, erlebte Sportstars und fing das Shirt, das Carl Lewis in die Zuschauer ränge warf.

Ingo Pawelke muss nur einen Wimpernschlag lang überlegen, um zu sagen, was ihm persönlich am besten am Programm der Traumfabrik gefällt: die "Moldau", seit 1980 der traditionelle Abschluss der Shows. Zur klassischen Musik von Smetanas berühmter Komposition und UV-Licht zeichnen weiße Bänder den Flusslauf nach. Pawelkes Traumfabrik-Favorit ist zugleich der des Publikums. Werden die Zuschauer gefragt, was ihnen am besten an der Traumfabrik gefallen hat, dann kommt vielfach, dass die "Moldau" einfach nur toll war. "Bei den Sachen, die die Leute nicht so gut fanden, war sie noch nie dabei", weiß Pawelke. "Die ,Moldau' ist immer nur auf der Positiv-Liste."

Vielleicht ist es gerade dies, was viele Menschen auch mit der Traumfabrik verbinden. Ingo Pawelke bringt einen Vergleich mit Robbie Williams. "Egal, was er macht, ,Let me entertain you' ist das, was die Leute einfach von ihm hören wollen." Und deshalb hat die Traumfabrik Programmpunkte, die einfach Klassiker sind. "Wir haben aber auch sehr viel neue Stücke im Programm, das Ensemble hat sehr viel entwickelt", sagt der Sohn des Gründers, der inzwischen selbst in verantwortlicher Position für die Traumfabrik tätig ist. Als Gäste sind internationale Künstler mit von der Partie, zum Beispiel Valentin Urse aus Rumänien, der vor sechs Jahren an der dritten Staffel von RTLs "Supertalent" teilnahm und mit seinem lebenden Röhrenmännchen bis ins Halbfinale kam. Oder der Kanadier Kenneth Lindermann, ein Handstandartist.

Eine besondere Herausforderung werden die "Catwall Acrobats" bei ihrem Auftritt im ACC meistern. Da die Bühne nicht so hoch ist, reichen ihre Trampolinsprünge bis an die Decke, exakt austariert auf die Fläche zwischen den Lichtanlagen. "Für das Publikum ist das natürlich toll", sagt Ingo Pawelke. "Die Artisten verschwinden im Unendlichen und fallen dann wieder vom Himmel." Genau das ist es, was die Traumfabrik ausmacht, auch nach über 30 Jahren noch: Sie versetzt die Zuschauer ins Staunen, bringt das Publikum zum Lachen, die Menschen zum Träumen.
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