Liebe als Schlüssel zur Versöhnung
Die Festpredigt gestern Abend auf dem Berg

Von wegen Freialtar: Die Bänke davor sind bei der Predigt nicht frei, sondern voll. Bild: wsb
Amberg. (ath) Was ist Versöhnung im christlichen Verständnis? Wie kann sie gelingen und welche Rolle spielt Gott dabei? Mit diesen Fragen befasste sich Domkapitular Peter Hubbauer gestern Abend in seiner Festpredigt auf dem Mariahilfberg, nachdem die ganze Festwoche unter dem geistlichen Thema "Aussprechen, lossprechen" im Sinne des Bußsakraments steht. Der Prälat gab folgende Antworten, die die AZ auszugsweise wiedergibt:

Stellen Sie sich zwei Freunde vor, die einen Streit haben. Die gute Beziehung, die sie bisher hatten, wird bis zum Zerbrechen strapaziert. Sie hören auf, miteinander zu reden, sie gehen sich aus dem Weg. Jeder ist der Meinung, der andere wäre im Unrecht und müsste den ersten Schritt tun. Sie werden sich allmählich immer fremder. Solche Entfremdung löst sich nicht von selber. Hier muss das geschehen, was ich gestern angesprochen habe unter dem Stichwort "aussprechen". Hier muss die Situation geklärt werden, muss ein Weg gefunden werden, den Konflikt zu überwinden - das wäre nun ein typischer Fall von Versöhnung. Das ist aber oft sehr schwer. Ja, es funktioniert in der Regel nicht ohne Hilfe von außen.

Die Heilige Schrift jedoch zeigt uns, dass Gott daran interessiert ist, zerbrochene Beziehungen wiederherzustellen. So sagt uns der Römerbrief, dass durch das Leiden und den Tod Jesu die Schuld der Menschen gesühnt und somit ein für allemal abgegolten ist. Die zerbrochene Beziehung, um nicht zu sagen, die Feindschaft mit Gott, wird wieder in Freundschaft verwandelt. An dieser Stelle wird eine Macht wirksam, die ich den Schlüssel zur Versöhnung nennen will: die Liebe. Sie ist die unerlässliche Wirkkraft, die Versöhnung möglich macht. In unserer Beziehung zu Gott dürfen wir immer mit seiner vergebenden und aufbauenden Liebe rechnen. Vergessen wir aber nicht, dass wir die entsprechende Antwort geben auf das Gebot, das als das größte bezeichnet wird: Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.

Wir spüren, dass die Liebe eine zentrale Grundkraft ist für unser Leben. Dort, wo sie greift, kann Leben gelingen. Dort, wo sie greift, werden Täler und Schluchten überwunden. Aus menschlicher Kraft ist das kaum möglich, aber die Liebe ist der Schlüssel der Versöhnung. Gott hat ihn uns in die Hand gegeben in einer zweifachen Weise, dass wir versöhnt mit ihm und versöhnt mit unseren Mitmenschen leben können.
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