Lieber Phönix als Sack und Asche

Hat die Jugend, wie etwa in Griechenland, keine Chance, braucht man sich nicht zu wundern, wenn sie sich den Radikalen zuwendet.

Eigentlich soll der Aschermittwoch ja Anlass sein, um Buße zu tun und der eigenen Vergänglichkeit zu gedenken. Doch das ist nicht Sache der Amberger SPD, ganz im Gegenteil. Selbstbewusst sieht sie sich einer Zukunft entgegen gehen, in der sie sich wie einst Phönix aus der Asche (!) aus mageren Wahlergebnisse erhebt.

Traditionell zelebrieren sich die Amberger Sozialdemokraten aber nicht am Mittwoch, das kann ja jeder, sogar die CSU. Nein, dafür haben sie die eigenwillige Kreation des Politischen Ascherdonnerstags erfunden. Hauptredner war heuer in Gasthof Alte Kaserne der Fürther Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung. Vor recht lichten Reihen - der Erkältungsbazillus ist anscheinend kein SPD-Anhänger - wollte auch er nicht in Sack und Asche gehen, sondern trumpfte mit Erfolgen auf, die die Genossen vorzuweisen hätten, ein Stichwort von vielen: Mindestlohn.

In seinem Referat pickte sich Jung einige aktuelle Themen heraus:

Armut: Zwar geht es laut Fürths OB Bund und Land blendend, doch das nütze den über zwölf Millionen Armen im Land nichts, die der Wohlfahrtverbands-Bericht ausweise.

Griechenland: Deutschland müsse seiner besonderen Verantwortung für Europa nachkommen, betonte Jung. "Hat die Jugend, wie etwa in Griechenland, keine Chance, braucht man sich nicht zu wundern, wenn sie sich den Radikalen zuwendet."

Länderfinanzausgleich: Marode Städte gebe es nicht nur in Griechenland, sondern auch hierzulande, unter anderem im Ruhrgebiet. Angesichts dieser Verwerfungen sei der Ausgleich differenzierter zu gestalten, nicht nur von West nach Ost.

Flüchtlinge: Asylbewerber sollten offen willkommen geheißen werden, forderte Jung. Andererseits gelte es, Schlepperbanden, die Menschen zum Beispiel aus dem Kosovo ohne Aussicht auf Asyl nach Deutschland lockten, das Handwerk zu legen.

Russland: Der Referent erachtete Sanktionen als zweischneidig und mahnte: "Nicht übertreiben." Deren Auswirkungen schlügen auf die Bundesrepublik zurück und machten schon heute manchem Unternehmen zu schaffen.

Freihandelsabkommen: TTIP stoße auf breite Ablehnung, und das aus mancherlei gutem Grund, meinte Jung und nannte etwa die Schiedsgerichte oder den gefährdeten Markenschutz. Andererseits sei Deutschland auf den Export angewiesen. Deshalb gilt für den Fürther OB die Formel: "Das Abkommen ist richtig, aber nicht zu jedem Preis."
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