"Little Big World" kommt auch beim jungen Publikum im Amberger Stadttheater gut an
Kleine Welt ganz großartig

Mit "Little Big World" gastierte ein außergewöhnliches Tanztheater in Amberg. Die Mischung aus cineastischer Musik- und Akrobatik begeisterte das Publikum. Bild: Petra Hartl
Es gibt sie also doch, die Theateraufführungen, für die selbst Jugendliche mal den Fernsehsessel verlassen und dem heimischen Computer eine Atempause gönnen. Ein deutlich verjüngtes Publikum füllte Samstagabend die Sitzreihen im Amberger Stadttheater, um sich auf "eine poetische Reise voller Artistik zwischen Traum und Wirklichkeit" - wie das Programmheft versprach - entführen zu lassen. Die jungen Leute - und nicht nur sie - wurden nicht enttäuscht! Bei Sebastiano Tomas Produktion "Little Big World" fiel es schwer, sich zu entscheiden, was bewundernswerter ist, die raffinierten Choreographien, die akrobatischen Elemente, die Musik oder ganz einfach die perfekte Verbindung all dieser Bestandteile.

Richtige Spannung

Der Musik, die beim Tanztheater ja meist nur aus der Konserve kommt und aus bunt zusammengewürfelten Einzelstücken besteht, hat bei "Little Big World" einen entscheidenden Anteil am Gesamtkonzept. Das Instrumental-Quintett auf der Bühne, bestehend aus dem Klarinettisten Pawel Kuterbach, Giorgio Radoja am Klavier und den Streichern Igor Spallati, Dalai Theophilopoulou und Mark Chaet, der die Stücke auch komponiert hat, bildete die Klammer, die das Ganze umspannte und zusammen hielt. Die stark an der Minimal Music orientierten Klänge sorgten für die richtige Spannung, die sich dann mit den jeweiligen tänzerischen und akrobatischen Höhepunkten entlud. Dafür gebührt den Musikern höchste Anerkennung.

Und Höhepunkte gab es einige zu sehen. Ob Erika Nguyen am Luftring oder Rosa Tyyskä mit dem Cyr-Rad, der Jongleur Jimmy Gonzalez oder Leilani Franco, die ihrem Körper scheinbar völlig unmögliche Verrenkungen zumutete oder Dinh & Anh mit ihrer Hand-auf-Hand-Nummer, die, das sei hier bemerkt, von den Akteuren enorme Präzision und auch ein gewaltiges Vertrauen in die Kraft und das Können des Partners verlangt.

Stürmischer Beifall

Aber dies waren eigentlich nur einzelne, wenn auch ziemlich sensationelle Nummern, wie man sie auch im Zirkus zu sehen bekommt. Sie erhielten zwar berechtigten Zwischenapplaus, jedoch honorierte das Publikum erst zum Schluss das Gesamtkunstwerk "Little Big World" mit dem höchst verdienten stürmischen Beifall für das ganze Ensemble. Denn neben den einzelnen Meisterleistungen waren es die poetischen Choreographien von Sofie Spyratou, die das Besondere dieses Gastspiels ausmachten. Bei aller Schönheit und Eleganz gab es dabei auch einige kritische Untertöne, die auf die übertriebene Hektik der urbanen Gesellschaft und ihren Zwang zur steten Kommunikation per Mobil-Telefon abzielten.

Verstärkt wurde der Eindruck der einzelnen Szenen auch durch den Bühnenprospekt. Hier hat sich die Truppe etwas höchst charmantes ausgedacht. Der Hintergrund wurde nicht wie so oft per Dia- oder Powerpoint-Präsentation auf die Leinwand projiziert, sondern entstand zeitgleich mit den Vorführungen. Zu diesem Zweck war auf der Bühne ein Tischchen aufgebaut, auf das die Live-Kamera gerichtet war. Darauf wurden die kleinen Welten aufgebaut, die dank der Technik dann für den Zuschauer ganz groß und detailreich zu sehen war. So entstand ein Gesamtbild aus Bühnenrealität und Projektion - sogar einmal mit einer Projektion in der Projektion.

Zusätzlich Dramatik

Bei "Little Big World" stimmte einfach Alles: einfallsreiche Choreographien, zirkusreife Akrobatiknummern, zauberhafte Bühnenbild-Projektionen und eine Musik, die das Geschehen kongenial kommentierte und ihm zusätzliche Dramatik verlieh. Bleibt zu hoffen, dass sich einige der jungen Theater-Neulinge auch so dafür begeistert haben, dass sie einen positiven Eindruck mit nach Hause nahmen, der sie künftig öfter mal in den Musentempel zieht.
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