Luftig-leichter Lesetrip

So jung und unkompliziert wie sie aussieht, schreibt sie auch. Franziska Wilhelm gab davon gestern im Erasmus-Gymnasium und im Luftmuseum eine Kostprobe aus ihrem Debütroman "Meine Mutter schwebt im Weltall und Großmutter zieht Furchen". Bild: Steinbacher

"Ein ganz eigenes, tiefsinniges, spannendes, wunderschönes Debüt": So schwärmte die Kulturredaktion des NDR von Franziska Wilhelm und ihrem ersten Roman. Am Donnerstag gab sie ihr Debüt mit einer ebenso schönen Lesung in Amberg.

"Meine Mutter schwebt im Weltall und Großmutter zieht Furchen": So heißt das gut 200 Seiten starke Buch der Leipzigerin - der Titel ist eher sperrig als luftig. Dennoch passte er schon allein wegen des Schwebezustands der Mama im Weltall gut zum Luftmuseum. Dort trat die 33-Jährige gestern Abend auf, während sie am Morgen noch im Erasmus-Gymnasium gelesen hatte und heute Vormittag ein weiteres Mal vor Schülern im Dr.-Johanna-Decker-Gymnasium steht.

Vor allem die jungen Leute waren angetan von der inzwischen mehrfach ausgezeichneten Autorin. Einmal, weil sie altersmäßig von ihnen noch nicht weit weg ist - Wilhelm begann schon in Jugendjahren zu schreiben. Zum anderen verwendet sie eine einfache, klare Sprache und einen Plauderton, der sich locker liest und bei der jungen Generation gut ankommt. Die Aufmerksamkeit der Oberstufenschüler im EG belegte das.

Dort fand es Franziska Wilhelm ihrerseits "cool, dass noch gelesen wird", wie sie mit einer kurzen Abfrage unter den Zuhörern herausfand. Auf die Schüler wirkte die Autorin ebenso "cool", noch viel mehr aber ihre skurrile Romanstory. Sie handelt von der 18-jährigen Milla, deren Mutter Anfang der neunziger Jahre in Thüringen in einem Ort namens Strottenheim die Sportplatzkneipe betreibt. Für Aufregung sorgen regelmäßig die Selbstmörder, die sich auf dem nahen Bahndamm vor den Zug werfen. Milla rettet per Zufall einen solchen Kandidaten namens Kalle, als am selben Tag ihr Onkel verschwindet. Paketfahrer Kalle kommt gerade recht. Mit ihm und seinem VW Bus macht sich Milla auf den Weg nach Bratislava, um den geliebten Verwandten zu suchen.

Ab hier entwickelt sich eine Liebes- und Nachwende-Geschichte und eine Art Road-Story. Millas abenteuerliche Tour ist aber vor allem auch eine Reise zu sich selbst, was Franziska Wilhelm ebenso munter wie einfühlsam erzählt. In Amberg bekam die Leipzigerin viel Applaus. Nicht nur vom weiblichen Publikum, wenngleich das bei den Lesungen besonders gern ins Träumen geriet.
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