Lyrisches Lehrerderblecken

"Dr. Poetry" am Gregor-Mendel-Gymnasium wurde der Zehntklässler David Pickel. Bild: Wolters

Wenn Gott die Welt in der Neuzeit erschafft, Hipster als "ganz besondere Spezies" beschrieben werden, eine fluchende Katze ihren Alltag schildert und Jugendsprache Dichtung wird, heißt das kurz: Poetry Slam.

Zum vierten Mal stellten sich Schüler des Gregor-Mendel-Gymnasiums am Freitag mit ihren selbst geschriebenen Texten der Kritik der Mittelstufe. "Dr. Poetry" wurde der Zehntklässler David Pickel, der bei seinem Auftritt gnadenlos ironisch das Lehrerkollegium durchleuchtete. Musikalische Unterstützung erhielt die Veranstaltung von der Schulband "Herr Kleber und die kaukasischen Hopfenpflücker".

Poetry Slams leben von ausgefeilten Texten, Wortwitz und ausdrucksstarken Vorträgen. Insgesamt acht Teilnehmer meisterten diese Herausforderungen beim diesjährigen Dichterwettstreit in der Schulaula auf kreative Weise. Die Regeln waren klar formuliert: Jedem Poeten war Respekt entgegenzubringen, die Texte mussten selbst verfasst sein, die Vorträge durften fünf Minuten nicht überschreiten und Gesang sowie andere Hilfsmittel waren verboten.

Dabei stand besonders die künstlerische Unabhängigkeit im Fokus, wie Moderatorin und Deutschlehrerin Katrin Wilczek betonte. "Die Schüler sind ganz frei in dem, was sie schreiben wollen. Wir als Lehrer helfen ihnen nur dabei, Ideen zu finden. Sie orientieren sich dann zum Beispiel an Bildern oder daran, was im wirklichen Leben eben so passiert."

Was sich im tatsächlichen Schulalltag abspielt - oder zumindest in der Wahrnehmung des Poeten -, beschrieb David Pickel (10a) in seinem Vortrag und schaffte es dank Punktwertung der Jury ins Finale. Ungefiltert nahm der Schüler sämtliche Lehrer mit ihren Eigenheiten aufs Korn. Weder eine auffällige Haarfarbe noch die Anzahl von "Ähms" im Satzbau der Lehrer blieben unerwähnt.

Cornelia Loktev (10c) schaffte es dagegen mit ihrem Text über die Hipster in all ihrer einheitlichen Individualität in die nächste Runde. Ihren zweiten Vortrag widmete die Zehntklässlerin dann Dschungelcamp, Topmodel und Co. Geschickt gelang der Schülerin eine amüsante Verbindung zwischen Castingshows und anderen Berühmtheits-Wettbewerben.

Für ihre originellen Werke ernteten beide Poeten viel zustimmendes Gelächter und Anerkennung vom Publikum. In der Zuschauerbewertung nach Applaus setzte sich schließlich das Lehrerderblecken von David Pickel durch.

"Der Text war gut geschrieben und hatte viele Pointen", resümierte Organisator und Deutschlehrer Christian Feja. Er ist vom Konzept des Poetry Slams an dem Gymnasium überzeugt. "Ich finde es jedes Mal ganz erstaunlich, dass so viele Schüler auf einmal ruhig sein können, wenn da jemand auf der Bühne Lyrik vorträgt. Das spricht dann für die Künstler."
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