Mächtig Ärger wegen Eternit

Eternitplatten waren einst billig, robust und leicht zu verlegen. Aber sie sind auch asbesthaltig. Was ihre Entsorgung mittlerweile zum kostspieligen Problem macht. Manche Leute wollen sich das Geld sparen und "entsorgen" ihr Eternit in der freien Natur. Das kann aber noch teuerer werden.

Wenn es um wild abgelagerte Eternitplatten geht, lässt die Justiz keine Einwände zu. Denn dabei geht es um einen asbesthaltigen und damit nach Auffassung der Staatsanwaltschaft krebserregenden Stoff. Eternit bedarf einer Sonderbehandlung, es muss in eigens errichteten Anlagen entsorgt werden. Das ist nicht eben billig. Mitunter aber gibt es Zeitgenossen, die den einfachen Weg wählen. Dabei führen die Strecken meist zu abgelegenen Stellen und manch einer hat es auch schon in der Erde vergraben. Immer in der Hoffnung, dass bei Entdeckung keiner auf den Verursacher kommt.

Tatort Austraße: Dorthin brachte ein 39-jähriger Selbstständiger aus dem Baugewerbe, wohnhaft im Landkreis, rund 100 Eternitplatten, die wohl aus einer Sanierungsmaßnahme stammten. Später sollen sie auf der gleichen Straße noch einmal umgelagert worden sein. Auch dort aber ohne Abdeckung und letztlich völlig illegal.

Die Polizei begann wegen unsachgemäßen Umgangs mit Abfall zu ermitteln, sie gelangte zum Täter und zeigte ihn an. Worauf die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl beantragte und ihn vom Richter unterschrieben bekam. Dagegen wurde Einspruch erhoben.

Alles nur eine Vermutung?

Soweit die Lage, vor die sich Amtsrichter Jan Prokoph gestellt sah. Der 39-Jährige gab die illegale Ablagerung zwar zu, drängte aber über seinen Verteidiger Dr. Günther Schatz auf eine Minderung der gegen ihn verhängten Geldstrafe. Der Anwalt gab dem Richter dabei zu bedenken, dass das von den Strafverfolgern verwendete Wort "krebserregend" mehr oder weniger eine Tatsachenbehauptung sei, die sich definitiv aber nicht beweisen lasse und als Vermutung zu gelten habe.

Günther Schatz wählte dabei ein Beispiel aus seinem eigenen Umfeld und schilderte, dass er selbst seit langem eine mit Eternit gedeckte Scheune besitze. Das werde wohl auch so bleiben, fügte der Anwalt hinzu und führte dem Richter vor Augen: "Ich habe keinen Krebs." Das freilich schien den Vorsitzenden wenig zu interessieren. Eher schon die Angaben des 39-Jährigen Unternehmers, dass er monatlich lediglich rund 1500 Euro verdiene.

Rabatt für den Sünder

Nur von daher gab es "Rabatt" auf den ergangenen Strafbefehl. Nach Antrag von Staatsanwältin Dr. Barbara Tutsch muss der Asbest-Sünder nun 90 Tagessätze zu je 50 Euro zahlen. Machte also 4500 Euro und damit weniger als ursprünglich vorgesehen. Der Angeklagte akzeptierte, auch sein Anwalt tat das mit einem Dank an "Euer Gnaden".
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