Mahalia hat sie selbst erlebt

Wenn Joan Orleans erst einmal Fahrt aufgenommen hat, dann kann sie nicht anders, als ihre Bewunderung für Mahalia Jackson zu schildern. Bild: Hartl

Diese Frau ist eine Naturgewalt. Joan Orleans fegt wieder einmal über Amberg hinweg. Und sie spielt ihre Lieblingsrolle, mit der sie ihre größten Erfolge gefeiert hat: Mahalia.

Als Kind hat sie Mahalia Jackson, die wohl größte Gospel-Sängerin aller Zeiten, noch selbst erlebt. Nicht in einem Konzertsaal sondern in einer einfachen Kirche im Süden der USA durfte Joan Orleans die Frau sehen und hören, die später weite Teile ihres Lebens prägen sollte. "Sie war unter uns und hat für uns gesungen", erzählt sie beim Gespräch im Casino-Wirtshaus.

Sam Cook in der Aula

Ihre dunklen Augen glänzen, als sie sich an die Zeiten erinnert, in der sie die großen Stars der schwarzen Musik hautnah erleben durfte. Sam Cook hat sie auch getroffen. Er trat ganz bescheiden in einer Schul-Aula auf. Doch Mahalia hat sie nicht mehr losgelassen. Obwohl Joan Orleans bereits in den 70er Jahren nach Deutschland gekommen ist, steht sie nach wie vor unter dem Einfluss der Frau, die für John F. Kennedy oder Martin Luther King gesungen hat. Wie Mahalia Jackson ist auch Joan Orleans in New Orleans zur Welt gekommen - inmitten eines strikten Rassismus, wie er teilweise bis heute im Süden der USA herrscht. Immer wieder greift sie im Gespräch diesen tiefen Hass auf, den die Weißen auf die schwarze Bevölkerung hatten. "Sie haben nur darauf gewartet, dass sie ihre Hunde auf die Menschen hetzen konnten."

Frauen der Generation Mahalia Jacksons konnten nur Hure oder Putzfrau werden, so sagt sie. Mahalia verließ ihre Heimat, ging nach Chicago, wo sie Verstorbene für die Beerdigung frisierte und schminkte. "Aber das kommt alles im Musical vor", macht Joan Orleans schnell noch Werbung für das Stück, an dem sie selbst mitgeschrieben hat und in dem sie die Hauptrolle spielt. Obwohl es dieser Reklame eigentlich nicht bedarf. Schließlich ist "Mahalia" der absolute Favorit des Amberger Publikums - und das seit der Uraufführung im Jahr 1998, die ja ebenfalls das Stadttheater erleben durfte.

Acht Jahre auf Tournee

16 Mal ging Joan Orleans mit dem Stück auf Tournee, acht Jahre lang war sie unterwegs, gab rund 800 Vorstellungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, in Luxemburg und den Niederlanden. "Und dann war alles vorbei." Doch das Publikum wollte ihre Mahalia wiedersehen, Joan Orleans erreichen bis heute Briefe, in denen die Menschen erzählen, wie sehr sie das Vorbild Mahalia Jacksons in ihrem eigenen Leben beeinflusst hat.

Das hat sie übrigens auch bei einem ganz Großen der Weltgeschichte: Martin Luther King. Als er in Washington seine berühmte Rede "I have a Dream" hielt, da war es Mahalia Jackson, die ihn dazu animiert hat. "Sie hat ihm zugerufen, erzähl von deinem Traum", so schildert es Joan Orleans. Da habe King sein Redemanuskript zur Seite gelegt und diese Sätze gesagt, dass er von einer Welt träume, in der Rassenunterschiede keine Rolle mehr spielen.
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