"Mama, das machst du"

Birgit Fruth ist die neue Fraktionsvorsitzende der SPD und zugleich die erste Frau in dieser Funktion bei den Sozialdemokraten. Bild: Hartl

Bis um 4 Uhr morgens am Tag nach der Kommunalwahl im März war Birgit Fruth noch drin im Stadtrat. Doch als die letzten Stimmbezirke ausgezählt waren, hatte die SPD ihren zwölften Sitz verloren. Als Nachrückerin zog die 44-Jährige im Dezember in das Gremium ein. Jetzt ist sie Fraktionsvorsitzende.

Im Interview schildert Birgit Fruth, was sie bewogen hat, nach so kurzer Zeit die Nachfolge von Florian Fuchs an der Spitze der SPD-Fraktion anzutreten.

Seit Dezember als Nachrückerin im Stadtrat, jetzt Fraktionsvorsitzende der SPD - ist das nicht ein gewaltiger Sprung?

Ja, das stimmt. Das kann man wohl so sagen. Ich bin aber grundsätzlich ein Mensch, der Herausforderungen mag und diese auch annimmt. Mir ist natürlich klar, dass man das Amt eines Fraktionsvorsitzenden nicht von heute auf morgen ausfüllen kann. Ich denke, da wächst man rein - mit der Zeit und mit den Erfahrungen. Ich bin noch dabei, mich einzuarbeiten.

Welche Gründe waren ausschlaggebend, dass Sie das Amt übernommen haben?

Ich wollte Verantwortung übernehmen. Und wer A sagt, der muss auch B sagen - deshalb habe ich mich entschieden. Natürlich geschah dies nicht von heute auf morgen, ich hatte einige schlaflose Nächte, bis meine Entscheidung feststand.

Wie haben die Kollegen reagiert?

Alle in der Fraktion fanden es toll, dass ich das mache. Alle hatten mich zu diesem Schritt ermuntert, auch "alte Hasen" wie Martin Seibert oder Uli Hübner. Ich habe wirklich sehr viel positives Feedback bekommen. Ich denke, dass auch die Tatsache, dass ich einstimmig gewählt wurde, für sich spricht.

Was sagte Ihre Familie dazu?

Für die Familie war gleich klar, dass ich das machen werde. Mein Mann hat sofort gesagt, ich soll das tun. Und auch die Kinder - meine Tochter wird 21, mein Sohn ist 17 - fanden: "Mama, das machst du."

Was reizt Sie an dieser Position?

Das Wort hat ein bisschen mehr Gewicht, wenn man die Fraktion anführt. Meine Aufgabe ist, die Meinungen der einzelnen Kollegen zu bündeln und auch unter einen Hut zu bringen. Im Wahlkampf bin ich mit dem Slogan "Nicht bestimmt werden, sondern mitbestimmen" angetreten. Das ist mir sehr wichtig.

Welche Themen wollen Sie in nächster Zeit anpacken?

Dass es mit der Innenstadt weitergeht. Da wurden auch mit dem Bürgerspital-Areal schon richtungsweisende Entscheidungen getroffen. In die Ruine Forum muss endlich wieder Leben reinkommen. Ich denke, wenn die Leute sehen, dass was vorwärts geht, könnte das einen Dominoeffekt im positiven Sinne haben: Es kommt Schwung rein.

Gibt's auch Themen, die wehtun?

Natürlich, ich denke da an den einen oder anderen Kanal-Austausch, der angepackt werden muss. Wenn es ans Geld der Bürger und Anwohner geht, da macht man sich nicht beliebt. (Hintergrund)
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