Marcus Trepesch stellt unter dem Titel "All about Amberg" seine bunten Stadtbilder aus
Sehr liebenswert und ein bisserl schräg

Marcus Trepesch vor einer seiner bunt-schrägen Stadtansichten im Hotel Brunner. Es scheint ihm zu gefallen. Bild: Steinbacher
"All about Amberg", also "Alles über Amberg" will Marcus Trepesch in seiner aktuellen Ausstellung zeigen. Die Amberger kennen ihre Stadt in den meisten Fällen ja schon, aber von weither angereiste Besucher freuen sich vielleicht über einen künstlerischen Zugang zur historischen Architektur der Sehenswürdigkeiten. Deshalb fand die Vernissage am Donnerstagabend nicht in einer Galerie statt, sondern im Hotel Brunner, wo die Arbeiten auch noch in den nächsten Wochen zu bewundern sein werden.

Bei der Eröffnung der Ausstellung fand sich denn eine Touristengruppe aus Nordrhein-Westfalen in der Lobby ein, die von Brigitte Netta besonders willkommen geheißen wurde, denn - was viele nicht wussten - die Bürgermeisterin wurde in diesem Bundesland jenseits des Weißwurst-Äquators geboren. Die Vorstellung des Künstlers und seiner "Ansichten" von Amberg übernahm Hannelore Zapf. Sie betonte den eigenen, besonderen und auch reichlich schrägen Blick, den Marcus Trepesch auf die Stadt wirft und der sich in seinen Bildern widerspiegelt. Lebendige Farben, großflächig aufgetragen, ziehen das Auge des Betrachters magisch an. Die Konturen der Gebäude sind verzerrt, aber der echte Amberger erkennt auf den ersten Blick das Dargestellte. Mit der harten Umrahmung der einzelnen Segmente erinnern die Bilder ein wenig an die streng geometrischen Werke von Piet Mondrian. Allerdings werden bei Marcus Trepesch die Quadrate und Rechtecke des Belgiers zu Rauten, Dreiecken und Trapezen, die zu Gebäuden zusammengepuzzelt sind - wie in einem Tangram-Spiel.

Seine Vergangenheit als Comiczeichner und Karikaturist kann Marcus Trepesch ohnehin nicht verleugnen. Man kann sich gut vorstellen, dass in den Stadtlandschaften irgendwelche Superhelden unserer Jugend auftauchen und auf Bösewichter-Jagd gehen. Aber so viele davon gibt es in der Stadt gar nicht, die - Hannelore Zapf konnte es sich nicht verkneifen darauf hinzuweisen - erst kürzlich zur lebens- und liebenswertesten des wiedervereinigten Deutschlands gekürt wurde.

Bleibt zu wünschen, dass sich die Gäste des Hotel Brunner von der Ausstellung in ihrem Urlaubsdomizil dazu anregen lassen, die Sehenswürdigkeiten Ambergs bei einem Stadtspaziergang selbst zu besuchen, um zu beurteilen, wie gut der Künstler die Substanz und den Charakter seiner Objekte getroffen und auf die Leinwand gebracht hat.
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