Marianna Frankowski-Griga feiert 95. mit großer Familie
Mit 70 zweite Heirat

Bei ihrem 95. Geburtstag dachte Marianna Frankowski-Griga nicht nur an sich selbst. Sie nutzte die Gelegenheit, Bürgermeister Martin Preuß, der zum Gratulieren samt Orchideen-Geschenk gekommen war, gleich ein Versprechen abzuringen: Er solle unbedingt auch ihrer besten Freundin die Aufwartung machen, die demnächst ebenfalls 95. feiert. Klar sagte Preuß das gerne lachend zu. Bild: kge
Sie hat einen Ururenkel, der bald drei Jahre alt wird. Da war sich Marianna Frankowski-Griga an ihrem 95. Geburtstag in ihrem adretten Zimmer im Haus St. Benedikt absolut sicher. Mit Hilfe von Tochter und Sohn konnte sie zwar 13 Enkel aufzählen, aber bei den Urenkeln kamen alle drei schlichtweg auf keinen gemeinsamen Nenner. "Die haben sich ja vermehrt wie die Karnickel", scherzte Stammhalter Josef und brachte seine Mutter an ihrem Ehrentag zum Lachen.

Mit vier Schwestern ist er damals in Schlesien auf einem Bauernhof aufgewachsen, bis seine Eltern - der Vater war Kriegsinvalide - 1958 aus Wohlau in der Nähe von Breslau weggingen. Ihre Übersiedlung brachte sie zunächst nach Pfreimd, bevor die Familie in Weiden sesshaft wurde. Dort arbeitete Marianna Frankowski-Griga als Stationshilfe im Krankenhaus Wöllershof, bis sie in den 80er- Jahren von den Kindern nach Amberg geholt wurde. "In Polen waren wir die Deutschen und in Deutschland sind wir die Polen", sagte sie am Sonntag im Rückblick.

Viel hatte die Seniorin aus ihrem langen Leben zu erzählen - und, dass ihr nur "das Buddeln in der Erde", sprich die Gartenarbeit, fehle. Der durchlittene Zweite Weltkrieg, ein auf der Flucht gestorbenes Kind und die frühe Zeit als Witwe mit 57 Jahren waren nur einige "Schicksalspunkte". Aber es gab auch Besonderheiten wie eine zweite Heirat im Alter von 70 mit einem Neunzigjährigen, woher der Doppelname der Jubilarin rührt. Sie wirkte voller Lebensfreude, obwohl ihr "das Gehen und die Gelenke" zu schaffen machen.

Ihr Entschluss, ins betreute Wohnheim überzusiedeln, hat zum einen mit dem im vergangenen Jahr erlittenen Schlaganfall und zum anderen mit ihrer Freundin zu tun. Mit ihr lebte sie zuvor im selben Haus in der Plechstraße. "Gell, wenn sie in ein paar Monaten ebenfalls 95 wird, dann kommen Sie wieder," bat Marianna Frankowski-Griga beim Abschied Bürgermeister Martin Preuß. Ihren Sohn erinnerte sie nachdrücklich daran, nachmittags die Vertraute zur großen, fünf Generationen umfassenden Feier abzuholen.
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