Marterl mit Fragezeichen

Das Marterl, für dessen Renovierung Sponsoren gesucht werden, befindet sich etwa 300 Meter nach dem Ortsende von Ammersricht in Richtung Wagrainer Wald auf der rechten Straßenseite auf dem etwas erhöhten Ackerrain. Bild: hae

Wer als Spaziergänger oder Jogger vom östlichen Ortsrand von Ammersricht Richtung Wagrainer Wald oder zum Industriegebiet bei Immenstetten unterwegs ist, kommt an einem unscheinbaren Marterl vorbei. Und stellt sich die Frage: Ist das ein Ruhepol für Wanderer oder eine Erinnerung an Unglücksfälle?

Der Zahn der Zeit hat kräftig an diesem Stein gearbeitet, er hat Moos angelegt, und die drei eingelassenen Bilder sind verblasst. Jetzt will der Ammersrichter Willi Herdegen aus der Ruckstraße etwas Licht in die Geschichte dieses Kleindenkmals bringen.

1827 eingemeißelt

Etwa 300 Meter nach dem Ortsende findet sich auf der rechten Straßenseite auf dem etwas erhöhten Ackerrain das knapp zwei Meter hohe Marterl. Die im unteren Teil der Steinsäule eingemeißelte Jahreszahl 1827 sagt schon einiges über das Alter und den Zeitpunkt der Errichtung aus. Auf der Vorderseite sieht man ein Bild des heiligen Josef mit Kind und einer Lilie, links die Hl. Dreifaltigkeit, rechts den heiligen Wendelin.

Josef Mertel (71) aus Oberammersricht kennt die früheren Standorte des Bildstocks selbst noch. Ursprünglich war er in der Mitte der Wegegabelung von Oberammersrichter und Aschacher Weg platziert. Anfang der 70er Jahre wurde er beim Straßenausbau auf den linken Straßenrand verlegt. Aber schon wenige Jahr später landete er dann endgültig rechts auf dem Ackerrain. Bei der Gelegenheit hatte der damalige Jagdpächter Hans Winkler das Marterl renovieren lassen.

Vom Blitz getötet

Wie bei vielen Heiligenstöcken, ranken sich um das Motiv zur Errichtung viele Geschichten und Versionen. Solche Flurdenkmäler konnten Ausdruck von Volksfrömmigkeit, Anstoß zum Gebet unterwegs, Zeichen der Dankbarkeit für überstandene Gefahren oder Erinnerung an besondere Unglücksfälle sein.

Der Ortsteil Oberammersricht bestand ursprünglich aus dem Schießl-, Ägidie- und dem Stroblhof. Josef Mertel, der heute auf dem Ägidiehof wohnt, kennt aus Erzählungen seines Vaters eine mögliche Version: 1876 ist ein Jakob Brunner, der den Schießlhof bewirtschaftete, bei einem Blitzschlag auf der "Platten" am Langangerweg ums Leben gekommen. Möglicherweise wurde danach das Marterl von Angehörigen, so wie es heute mit Bildstock besteht, nahe dem Hof errichtet. Das erklärt vielleicht auch das Bild vom heiligen Wendelin, der im Volksmund als Schutzpatron der Hirten, Bauern, Tagelöhner und Landarbeiter bezeichnet wird.

Willi Herdegen hat auch schon jemanden an der Hand, der sich der Renovierung dieses Marterls annimmt und hofft, dass das Erinnerungsstück an vergangene Zeiten bald in neuem Glanz leuchtet. Natürlich ist das auch mit Kosten verbunden. Wer sich den Erhalt des Bildstocks wünscht, kann diese Aktion unterstützen und sich mit dem Initiator Willi Herdegen in Verbindung setzen.
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