Matthias Schöberl beim Winklerbräu in Hochform
Wenn der Dings den Dorfer derbleckt

Mit dem Derblecken ist das ja so eine Sache. Seitdem eine Münchner Brauerei dereinst zwecks Steigerung des eigenen Bockbierabsatzes diesen uralten bayerischen Brauch erfunden hat, tun es praktisch alle. Also derblecken - oder was sie dafür halten. Denn so einfach derbleckt es sich nicht. Aber wir haben mal hochgerechnet: Zwischen Ende des Faschings und Beginn der Osterzeit wird allein in unserem Landkreis ungefähr 85 Mal derbleckt.

Es gibt praktisch kein Sportheim zwischen Auerbach und Schmidmühlen, in dem kein als Mönch verkleideter Mensch auftritt und mehr oder minder lustige Dinge von sich gibt - meist sind sie eher wenig humorvoll. Immer aber wird dazu Bockbier gereicht. Gerne wird eine solche Gelegenheit dazu genutzt, dem politischen Gegner eins einzuschenken - in diesem Falle natürlich kein Bockbier, sondern eine Gemeinheit. Das nennt man dann draufdreschen und nachtreten.

In Amberg selbst wird eigentlich nicht derbleckt. Eine Ausnahme macht der Winkler Bepp, also der Josef Winkler von der gleichnamigen Brauerei. Natürlich braut er für diese Gelegenheit - aber nicht nur für diese - einen süffigen Bock, Gattin Angelika steuerte heuer sogar einen hochprozentigen Eisbock bei. Und weil der Josef Winkler am 19. März Namenstag hat, lädt er Jahr für Jahr in die Brauereigaststätte zum lustigen Derblecken und Bockbiertrinken ein. Trinken tun alle, Derblecken tut der Schöberl.

Nun ist der Matthias Schöberl einer der wenigen Amateur-Barnabasse, die diese Kunst auch wirklich beherrschen. Diesen gewagten Spagat zwischen verbalem Florett und ordentlich Haudrauf. Er kann nahezu feinsinnig ("Auf der Liste der beliebtesten bayerischen Politiker hat der Söder seinen Chef schon überholt und liegt jetzt auf Platz 2. Auf Platz eins: die Masern"), aber auch ohne Umwege direkt drauf ("Leider zählen halt Neid, Missgunst und Hinterfotzigkeit seit jeher zu den christsozialen Kardinaltugenden").

Was der Schöberl nicht kann, ist die herzliche Feindschaft verleugnen, die ihn seit jeher mit Wolfgang Dandorfer verbindet. Der war in den vergangenen Jahren schon gar nicht mehr gekommen, um sich nicht vom Schöberl blöd anreden lassen zu müssen. Heuer war er wieder da - wahrscheinlich in der Hoffnung, als Alt-OB relativ ungeschoren davonkommen zu können. Hinterher war er am Donnerstag dann aber nicht sonderlich "amused" und dem Schöberl hat es fast leid getan, dass er ihn ständig nur als "Dingsdorfer" angeredet hat.

Nun gibt es beim Derblecken noch ein ehernes Gesetz: Wer nicht erwähnt wird, wer in der Rede des mehr oder minder lustigen Mönchs nicht vorkommt, ist politisch praktisch tot. In unserem Fall zum Beispiel der Florian Fuchs. Zur Erinnerung: Der ist bei der SPD und hat vor einigen Monaten für seine Partei so getan, als würde er gerne OB werden. Beim Winkler am Donnerstagabend wurde er nicht einmal mehr beim Namen genannt. Das ist praktisch der Anfang vom Sturz in die politische Bedeutungslosigkeit, wo er sich dann mit dem Dr. Ebenburger trifft.

Am Ende waren am Donnerstag fast alle zufrieden, hatten ordentlich getrunken und den Klängen der Hoglbuachan zugehört. Und der Schöberl, der schreibt schon wieder für das nächste Jahr. (Zitate)
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