Max Mustermann (ver)zweifelt

Ein frustrierter Telefonseelsorger mutiert zum Selbst-Mörder. Er wird zum Anstifter. Die Filmmaschine packt das sensible Thema Suizid für die Leinwand robust an. Premieren-Vorführung im Ring-Theater

(zm) Gut, dass die Filmmaschinisten (www.filmmaschine.de) ihrem Publikum ein vierminütiges Kurzfilm-Warm-up namens "Amok:Koma:Freiheit" gegönnt haben. Da kracht es gewaltig in Bild und Ton. Lauschige Leinwand-Seuseleien sind nicht das Ding der Kino-Enthusiasten um den Poppenrichter Christian Kreil. Der bisherige Inszenierungsstil geht eher in die Richtung, die Hardrocker mit Trash beschreiben. Und nun ein 22-Minutenstreifen, der das Thema Suizid aufgreift. Das ist gewagt und bändigt offenbar die ganze "Gang", wie Kreil seine cineastischen Mitstreiter bei der Premiere am Dienstag im Ring-Theater selbst betitelte.

Die Story ist schwarzhumorig-kurios genug. Max Mustermann (Siegfried Foster) gibt sich als frustrierter Telefonseelsorger zu erkennen. Jetzt trägt auch er sich mit schwermütigen Gedanken und ringt allabendlich im Bett damit, sie in die Tat umzusetzen. Als selbsternannter Suizid-Coach ist er ganz das Gegenteil und rät beflissen zur drastischen Konsequenz. Weiter bringt ihn das zwar nicht, aber andere ins Grab.

Erfrischend offen

Nun zählt Kreils (37) Truppe sicherlich nicht mehr zu den Jüngsten in der Gesellschaft. Aber sie nimmt sich die erfrischende Freiheit eines sehr offenen, unverbrauchten Blicks auf das Thema Suizid heraus. Jenseits der auch filmischen Beschreibungsmuster, die von Political Correctness sprechen und Tabuisierung meinen. Ihr Fanclub (Arbeiten der Filmmaschine wurden schon vielfach prämiert), erzählt der Regisseur und Chefmaschinist, habe ihnen nahegelegt, endlich einmal "einen ernsthaften Film zu machen". Das sei der "erste Versuch".

Szenische Zitate

Geblieben ist das Low-Budget, völlig neu die Länge. 22 Minuten 11 Sekunden, das ist bisheriger Filmmaschinen-Rekord. Geblieben ist auch der Hang zum filmischen Zitieren. Jedem der Premierengäste dürfte es so gegangen sein, dass ihm die eine oder andere Mustermann-Szene irgendwie bekannt vorkam. Hier bahnen sich die Vorlieben von Leinwand-Enthusiasten ihren Weg. Max Mustermann ist dennoch gemessen an bisherigen Arbeiten des Teams der bisher wohl leiseste Film, den es gedreht hat.

Wehmut liegt in der Luft und offene Trauer bricht bei den Kino-im-Kino-Szenen aus. Es ist der auch direkt ausgesprochene Abgesang auf Ambergs bisherige Lichtspiel-Geschichte, die bald in einem neuen 3 D-Komplex aufgeht. Hier ist die Schnittstelle zwischen Leinwand-Fiction und Alltagsrealität angesiedelt. Ganz feinsinnig. Still gar, aber auch etwas unbeholfen, als die Platzanweiserin (Luci Lechner) Max Mustermann drei Tassen Kaffee serviert. Die machen nämlich glücklich und minimieren somit die Gefahr, aus dem Leben scheiden zu wollen.

Bald trifft der scheiternde Suizid-Coach die Frau wieder. Das Kino ist geschlossen, sie sitzt auf einem Brückengeländer. Er weiß nicht so recht, was er ihr raten soll. Sie springt, er bleibt sitzen. Allein, einsam. Jetzt geht der Film auf Festivaltour.
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