Maya aus Syrien und ihre Paten aus dem P-Seminar des Max-Reger-Gymnasiums helfen beim ...
Fremder Brauch in einem fremden Land

Die Senioren des Marienheims färben fleißig Eier. Auch Maya (13) aus Syrien hilft mit, indem sie die gekochten und gefärbten Eier mit einer Speckschwarte abreibt, damit sie richtig schön glänzen. Bild: Hartl
Etwas verschüchtert steht Maya (13) hinter den Senioren. Ein fremdes Land, eine fremde Sprache, ein fremder Brauch. Doch schnell greift das Mädchen aus Syrien zu, als eine ältere Dame ihr ein Ei und eine Speckschwarte hinhält. Maya reibt mit dem Fett das gekochte und gefärbte Ei ein, damit es schön glänzt. Kurz darauf wird sie selbst die frisch gekochten Eier von einem Löffel ins Farbbad gleiten lassen und später herausfischen. Maya ist seit drei Monaten in Deutschland, seit acht Wochen besucht sie die Übergangsklasse der Luitpoldschule.

Spinat und Zwiebelschale

Zu den im Caritas-Marienheim lebenden Senioren kamen am Mittwochnachmittag junge Menschen, Schüler des Max-Reger-Gymnasiums, die sich als Projekt für ihr P-Seminar für Patenschaften mit den Schülern der Übergangsklasse entschieden haben. An diesem Tag gehen die Jugendlichen gemeinsam ins Marienheim, um mit den Senioren bunte Eier für Ostern zu färben. Die Senioren sitzen schon an den Tischen, vor ihnen liegen Esslöffel, Kuchenteller, Papierhandtücher und jeweils eine Plastikschüssel mit dem Farbbad für die Eier.

Die 89-jährige Barbara Landsherr hat in ihrem Leben schon viele Eier für Ostern gefärbt. Kein Wunder, sie hat drei Kinder, sechs Enkel und acht Urenkel. "Da muss ich ja wohl Eier färben können", sagt sie lachend. Früher, als es noch keine Farbtabletten gab, die in kaltem Wasser aufgelöst werden, nahm sie Spinat, Rote Beete und natürlich Zwiebelschalen, wodurch die Eier einen Braunton bekamen. Auf jedes gefärbte Ei pappt sie einen Aufkleber, mal ein kleines Häschen, dann ein Nesterl. "Insgesamt sind es 260 Eier, die wir färben", erklärt Daniela Donhauser, gerontopsychiatrische Fachkraft im Marienheim. Rund 30 Senioren helfen mit. Und sieben Schüler des P-Seminars plus Maya, das Mädchen aus Syrien. Vera Beschorner ist eine der Gymnasiastinnen. Sie schildert, was sie und ihre Mitschüler seit dem Projektstart im November schon alles mit der Übergangsklasse unternommen haben: "Wir waren beim Bowling, haben Plätzchen gebacken und Spiele gemacht." Dass heute nur sieben Schüler des P-Seminars und ein Mädchen der Übergangsklasse mit 18 Schülern aus neun Nationen da sind, liegt an den Ferien.

Für das Osterfrühstück

Viele von ihnen sind laut ihrer Lehrerin Corinna Kellner über Ostern in ihr Heimatland gefahren. Andere hatten sich für den am nächsten Tag geplanten Stadtspaziergang mit den MRG-Schülern und den Marienheim-Senioren gemeldet. Doch die Tour war nach Angaben von Elke Schlatmann-Wellnhofer, Oberstudienrätin am MRG und Leiterin des P-Seminars, wegen des schlechten Wetters abgesagt worden. "Das holen wir nach", verspricht sie. Sie freut sich, dass sich unter den Schülern inzwischen private Kontakte ergaben.

Dank der tatkräftigen Unterstützung der Jugendlichen und auch vieler ehrenamtlicher Betreuer füllen sich die Eierlagen aus Pappe sehr schnell mit den gefärbten Exemplaren. Die Eier gibt es für die Senioren beim Osterfrühstück am Sonntag. Zusätzlich kriegt jeder einen kleinen Schokohasen, verrät Donhauser.
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.