Mehr Patienten, aber weniger Einnahmen am Amberger Klinikum
Ohne Grippewelle weniger Erlös

Auch wenn bei der Ausbildung in Pflegeberufen gerne mal die Puppe zum Einsatz kommt: Die Absolventen des neuen dualen Studiengangs Pflege am Klinikum St. Marien sollen selbst nach ihrem Bachelor-Abschluss immer nah am Patienten bleiben. Archivbild: Huber

Heuer kamen die Patienten im Durchschnitt mit weniger schweren Krankheiten ins Klinikum als noch 2013. Was für den Einzelnen gut ist, bereitet aber den Verantwortlichen des Krankenhauses Kopfzerbrechen.

Eine "sehr erfreuliche Entwicklung" sah Vorstand Manfred Wendl bei der Sitzung des Klinikum-Verwaltungsrats, als er dort am Montagabend die Leistungszahlen für 2014 vorlegte. Sie weisen bisher 23 764 Patienten aus, 195 mehr als zum gleichen Zeitpunkt 2013, und liegen fast auf dem Niveau des Rekordjahres 2012. Vor allem im Oktober und November registrierte Wendl heuer "die höchste Zahl, die wir in diesen beiden Monaten in den letzten Jahren hatten".

Kein Qualitätsproblem

Bei der Kennziffer für die Schwere der behandelten Fälle (CMI) brachten vor allem die ersten drei Quartale einen Rückgang um 2,02 Prozent auf 0,994. Es waren also weniger Patienten mit aufwendig zu behandelnden Erkrankungen im Amberger Klinikum, weshalb im Vergleich zu 2013 auch die Vergütung sinkt - in CM-Punkten ausgedrückt um 290 (-1,23 Prozent) auf 23 617.

Dahinter verberge sich aber kein Qualitätsproblem des Klinikums, erläuterte Wendl, sondern zum Beispiel ein deutlicher Rückgang bei den schweren Beatmungsfällen im 1. und 2. Quartal. 2014 sei nämlich die ganz heftige Grippewelle ausgeblieben, mit der viele schwere Lungenentzündungen einhergingen. Zudem gebe es immer mehr Patientenverfügungen, die eine längere Beatmung ausschlössen. Von ähnlichen Entwicklungen hätten auf Nachfrage auch andere Krankenhäuser berichtet. "Unser Haus wird von den Patienten nach wie vor angenommen", schloss Wendl aus den Leistungszahlen.

Studium für zehn Prozent

Wie an den Berufsfachschulen für Kranken- und Kinderkrankenpflege des Klinikums der duale Studiengang Pflege eingerichtet werden soll, erläuterte die Schulleiterin Claudia Staudinger. Man reagiere damit auf Kernpunkte des angekündigten neuen Pflegeberufsgesetzes, das eine stärkere Akademisierung der Ausbildung vorsehe. Da werde dann angestrebt, dass etwa zehn Prozent aller Pflegekräfte studiert hätten, erläuterte die Diplom-Pflegepädagogin. Das könne man mit den derzeitigen Auszubildenden an der Schule bereits leisten; rund 20 Prozent von ihnen hätten Abitur oder Fachabitur. "Wir sprechen mit der Neuregelung aber auch zusätzliche Schulabgänger an und können so die Qualität steigern", ergänzte Manfred Wendl.

Der Studiengang wird in Kooperation mit der OTH Regensburg eingerichtet. Am 1. Oktober 2015 sollen sechs Kräfte aus Amberg damit starten. Der erste Studienabschnitt besteht aus sechs Semestern, in denen jeweils zwei Blockwochen an der OTH in Regensburg zu absolvieren sind. Der Rest ist Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege an der Berufsfachschule am Klinikum St. Marien. Ist die Ausbildung abgeschlossen, stehen in einem zweiten Studienabschnitt drei Semester Vollzeit an der OTH an. In dieser Zeit können und sollen die Studierenden aber am Klinikum Teilzeit in der Pflege weiterarbeiten.

Wer dann den Abschluss "Bachelor of Science" in der Tasche hat, "wird weiterhin am Patientenbett eingesetzt", zeigte Claudia Staudinger einen Unterschied zu bisherigen Studiengängen auf. Diese Pflegenden könnten als Multiplikatoren für ihre Kollegen sowie als "Bindeglied zwischen Theorie und Praxis" dienen. Qualitätsmanagement, Stationsleitung oder Praxisanleiter seien mögliche Einsatzgebiete.

Auch in Amberg möglich?

Verwaltungsrätin Barbara Lanzinger lobte die vorgesehene praxisnahe Ausrichtung des dualen Studiums und die Einrichtung an der Berufsfachschule als "klugen Schachzug". Sie hatte zudem einen Vorschlag parat, wie man den Studierenden die Fahrten nach Regensburg ersparen könnte: "Das Beste wäre, wenn man es schaffen würde, an unserer OTH so etwas einzurichten."
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