Meilenstein für 15 Millionen Euro

Von der höher gelegenen Leopoldstraße aus zeigt sich die ganze Dimension des 18 800 Quadratmeter großen Grundstücks der Lebenshilfe. Hier zwischen dem Lidl-Markt (rechts) und der bisherigen Zufahrtsstraße zu den Jura-Werkstätten (am linken Bildrand oben) wird sich der etwa 60 Meter breite und 100 Meter lange Neubau zur Raiffeisenstraße hin (im Hintergrund) entwickeln. Bild: Huber
Lokales
Amberg in der Oberpfalz
06.03.2015
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So sieht der Entwurf der Amberger Architekten Harth und Flierl für den Neubau aus, der nicht nur außen, sondern auch innen und von seiner technischen Ausstattung her sehr modern gestaltet wird. Bald beginnen die Ausschreibungen für die Baumeisterarbeiten, damit spätestens im Sommer der erste Spatenstich erfolgen kann. Repro: hfz

Diese Woche wurden die letzten Bäume auf dem Baugrundstück gefällt. Dadurch öffnet sich vor allem von der Leopoldstraße her ein breiter Panoramablick auf das 18 800 Quadratmeter große Areal. Und nicht nur vorbeifahrende Autofahrer fragen sich: Was passiert hier? Antwort: Die Jura-Werkstätten bauen bald neu.

Genauer gesagt ist es die Lebenshilfe Amberg-Sulzbach als Träger der Einrichtung, die dieses gewaltige Projekt plant. Enorm ist es nicht nur von seiner Baufläche her, sondern auch durch seine Kosten. Auf insgesamt über 15 Millionen Euro ist der Neubau veranschlagt, der die bisherigen Gebäude der Jura-Werkstätten gleich auf dem Nachbargrundstück komplett ersetzen soll.

Doch neben diesen Eckdaten gibt es einen weiteren Grund, warum Lebenshilfe-Vorsitzender Eduard Freisinger und sein Stellvertreter Manfred Schießl die Maßnahme als "Meilenstein" in der Betriebs- und Vereinsgeschichte bezeichnen. Denn auch konzeptionell ändert sich in dem Neubau einiges, so dass sich sowohl für die Mitarbeiter als auch die Betreuung schwerstbehinderter Menschen unter einem Dach ganz andere Möglichkeiten ergeben. "Wir können neue Ideen viel intensiver aufgreifen als vorher", sagt Freisinger und meint damit vor allem die zwei Bereiche Berufsbildung und Förderstätte. Letztere wächst allein auf rund 800 Quadratmeter und erhält zusammenhängende Räume, die bisher an mehreren Stellen verteilt sind.

Auch der Berufsbildungssektor bekommt auf 370 Quadratmetern sein eigenes "Reich" mit Unterrichtsräumen, praktischen Lehrwerkstätten und Schulküche. Beide Bereiche sind in einer Art Einlieger-Geschoss untergebracht, das durch die Hanglage des Grundstücks zur Raiffeisenstraße hin unter der eigentlichen Parterre-Ebene möglich wird. Darüber ziehen die Verwaltung, der Sozialdienst, die Hausküche und der Speisesaal ein, was zum Beispiel beim gemeinsamen Essen eine gute Verbindung der zwei Bereiche zum übrigen Haus und seinen Mitarbeitern schafft.



Den größten Teil der insgesamt 8700 Quadratmeter Grundfläche nimmt natürlich der ausschließlich ebenerdige Produktionsbereich samt Lager ein. Er ist neben den anderen wichtigen Einheiten sozusagen das Herzstück der Jura-Werkstätten. Hier können künftig rund 355 Menschen mit Behinderung arbeiten. 320 Beschäftigte hat der als Verein organisierte Betrieb gegenwärtig schon. Die weiteren Kräfte will man nach Auskunft von Geschäftsführer Bernhard Albrecht aus den Sulzbach-Rosenberger Jura-Werkstätten gewinnen. Sie sind ebenso überfüllt wie das Amberger Haus. "Wir platzen aus allen Nähten", beschreibt Freisinger die Situation am hiesigen Standort und nennt damit den Grund für den Neubau. Natürlich wurde nach seiner Auskunft auch eine Erweiterung des bestehenden Gebäudes geprüft, nachdem die Lebenshilfe das unmittelbar anschließende Nachbargrundstück (nahe dem Lidl-Supermarkt) schon seit längerem besitzt. Diese Möglichkeit schied jedoch rasch aus, weil die ebenso notwendige Sanierung des Altbaus praktisch genauso teuer gekommen wäre.

"Alle baufachlichen Stellen waren sich einig, dass diese Variante nicht zur Diskussion steht", blickte Albrecht zurück, nachdem diese Überlegungen schon vor Jahren gewälzt wurden. Dass sie jetzt wahr werden - der vorzeitige Baubeginn ist möglich, die Genehmigung beantragt -, ist auch den nun zugesagten Fördergeldern zu verdanken. Trotz staatlicher Unterstützung muss die Lebenshilfe rund 40 Prozent der Kosten selber tragen.
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