Merkel in der Zukunftsfabrik

Was wird da wohl noch kommen? Zumindest die Zukunft der Industrie wurde für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, Zweite von links) bei ihrem Besuch im Amberger Siemens-Elektronikwerk begreifbar. Es produziert Steuereinheiten für den Weltmarkt. Durch den hohen Automationsgrad von 75 Prozent gilt es als Vorreiter in Sachen Industrie 4.0. Vorstandschef Joe Kaeser (rechts) führte die Kanzlerin persönlich durchs Werk. Bild: Wolfgang Steinbacher

Die fast perfekte Fabrik steht in Amberg. Die Fehlerquote liegt bei nur noch 0,0015 Prozent - dank einer fast voll digitalisierten Produktion. Bei ihrem Besuch in Amberg erfuhr Bundeskanzlerin Angela Merkel, wie die sogenannte Industrie 4.0 aussieht.

Die Zukunft des Weltkonzerns Siemens steht in der Oberpfalz - das Elektronikwerk Amberg, in dem seit 25 Jahren Bauteile hergestellt werden. Am Montag bekam es Besuch von der mächtigsten Frau Deutschlands: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser führt sie durch die Hallen. Mit dabei war die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU).

Welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die industrielle Fertigung hat und noch haben könnte, bekam die Kanzlerin von Kaeser und Werkleiter Karl-Heinz Büttner erklärt. Roboter, Scanner, Sensoren und Computer im Einklang mit den Menschen. Technik bügelt Fehler von Menschen aus - oder verhindert sie vornherein. Am Ende stehe eine Qualität von mehr als 99 Prozent. "Ich kenne weltweit kein vergleichbares Werk, das an diese niedrige Fehlerquote herankommt", hebt Büttner hervor.

Reich an Ideen

"Das wird die industrielle Produktion erheblich verändern", sagte Merkel nach ihrem mehr als halbstündigen Rundgang durch die Werkhalle mit ihren 10 000 Quadratmetern Produktionsfläche. "Ich möchte, dass Deutschland auf diesem Bereich führend wird." Die Bundesrepublik sei nicht reich an Rohstoffen, aber reich an Ideen. Das Amberger Siemens-Werk bezeichnete sie als Paradebeispiel für das Geschäftsfeld "Digitale Fabrik" von Siemens.

"Sie sehen hier Industrie 4.0 bei der Arbeit", erklärte Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser. Der gebürtige Niederbayer hob die Vorzüge der zukunftweisenden Produktion hervor: Produktivität und Qualität. "In den vergangenen 25 Jahren hat sich die Produktivität verachtfacht", so Kaeser. 75 Prozent der Wertschöpfungskette seien automatisiert, trotzdem seien noch Menschen in den Werkshallen im Einsatz. Das Amberger Elektronikwerk hat 1200 Beschäftigte. Sie stellen pro Jahr 15 Millionen Produkte her. "Die digitale Fabrik wird von Menschen geprägt", betont Kaeser.

Vor ihrem nachmittäglichen Besuch in Amberg wollte Merkel den Roboterhersteller Kuka in Augsburg besichtigen. Der Termin entfiel allerdings, weil die Kanzlerin wegen schlechten Wetters nicht nach Schwaben fliegen konnte. Kuka spielt für das Amberger Siemens-Werk eine doppelte Rolle. Das Unternehmen ist sowohl Zulieferer als auch Kunde.

Kaeser: "Sind auf Kurs"

Vor Journalisten verteidigte Kaeser die Reformen innerhalb des Siemens-Konzerns. Der damit verbundene Stellenabbau sei kein Thema bei den Gesprächen mit der Kanzlerin gewesen, berichtete Kaeser. Seit er das Vorstandsamt übernommen hat, "haben wir genau das gemacht, was wir gesagt haben". Um Bürokratie abzubauen, will Kaeser 7800 Stellen in der Verwaltung streichen, hatte er Anfang Februar verkündet. Daran will er festhalten. Ansonsten liege Siemens "voll auf Kurs". "Wer einen Beweis haben wollte, wie stark Siemens ist, bekam ihn hier."

Das Elektronikwerk dürfte Vorbild nicht nur für Großkonzerne sein, sondern auch für den Mittelstand: "Wir haben deutlich gemacht, dass Industrie 4.0 eine Aufgabe der gesamten Wertschöpfungskette ist", sagte Joe Kaeser. (Seite 3)
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7871)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.