Messerstich tilgt Freundschaft

Der Messerstich ist unstrittig, denn das Opfer trug eine blutende Wunde davon, die genäht wurde. Doch ansonsten gingen die Aussagen weit auseinander, was im Juli vergangenen Jahres auf dem Rockfestival G.O.N.D. passiert war.

Fakt ist auch: Der Messerstich beendete die langjährige Freundschaft von zwei Männern, die auf damals in Kreuth kräftig feierten - und ganz schön becherten. Der 33-jährige Angeklagte sprach von einem Unfall. Man sei in gemütlicher Runde beisammengesessen und habe ein Trinkspiel gemacht. Beim Versuch, das Messer in die Scheide zurückzustecken, sei plötzlich ein Bein des Feldbetts abgeknickt. Dadurch sei er gekippt und versehentlich das Messer in das Knie seines Freundes gestochen.

2400 Euro für guten Zweck

"Die Geschichte hörte sich an wie: Der ist mir in die Faust gelaufen", kommentierte Richterin Verena Bösl diese Aussage. "Ich glaube Ihnen, dass Sie ihn nicht aus Wut abstechen wollten." Das Opfer hingegen sagte aus, der Kumpel habe sein Messer aus der Tasche des Feldbetts genommen und zu ihm gesagt: "Ich hau dir das Messer rein". Und dann habe er das getan. "Ich denke, er wollte den Stich bloß antäuschen", so der 25-Jährige. Gegenüber Sanitätern, die ihn versorgten, gab er an, in eine Glasscherbe gefallen zu sein. "Ich wollte, dass das unter uns bleibt, dass es auf der G.O.N.D. bleibt", erklärte er. Sein Chef, der später von dem Vorfall erfuhr, habe ihn gedrängt, zur Polizei zu gehen.

Der Geschädigte gab an, dass einiges an Alkohol geflossen sei: "Wir vertragen schon ein bisserl was, so ist das nicht." Seine Einschätzung der Tat teilte er dem Gericht auch mit: "Ich glaube, er wollte es nicht tun. Er wollte nur so tun als ob. Dann ist er aber zu weit gegangen." Zwei weitere junge Leute, die bei der Trinkspielrunde mit von der Partie waren, gaben an, sie haben den Messerstich nicht gesehen. "Wir sind nicht die brutalen Menschen, die aufeinander losgehen", sagte eine Zeugin.

Die Richterin gab den rechtlichen Hinweis, dass auch eine fahrlässige Körperverletzung in Betracht kommt. Schließlich stellte sie das Verfahren gegen die Zahlung einer Geldauflage von 2400 Euro ein. Die Summe muss der Angeklagte an die Selbsthilfegruppe Krebskranker Kinder in Raten zahlen.
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