Metzgermeister Herbert Hottner tritt am Mittwoch, 11. März, um 20 Uhr ein zweites Mal im Stadttheater auf und gibt den
Die Landung nach dem Flug

Applaus, Applaus: Die Zuschauer hievten Herbert Hottner, Schauspieler aus Leidenschaft, am Theaterabend "Heute weder Hamlet" auf den Darstellerthron. Am 11. März gibt es eine Zusatzvorstellung. Bild: Hartl
Vorhangszieher Ingo Sassmann. Im Interview spricht er über seine Karriere auf der Bühne.

Metzgermeister Herbert Hottner kann sich das im Augenblick noch gar nicht vorstellen: Wie das sein wird, nach seinem zweiten und letzten Solo-Auftritt am kommenden Mittwoch im Stadttheater, wenn er als Vorhangzieher Ingo Sassmann in "Heute weder Hamlet" die Bühne verlässt und fortan wieder ein Leben ohne Proben, Lampenfieber und Regisseurin führen muss. "Wahrscheinlich werde ich zunächst ein bisschen orientierungslos sein!" Nach seiner umjubelten Premiere vor rund 250 Zuschauern konzentriert Herbert Hottner nunmehr seine Kräfte und freut sich auf die Wiederholung.

Ingo Sassmann ist das genaue Gegenteil von Ihnen: Denn während der die große Bühne verlassen musste und jetzt nur noch den Vorhang auf- und zuzieht, sind Sie als Metzgermeister ja derjenige, der das Theater für sich beansprucht.

Herbert Hottner: Ja, aber bei diesem Ingo Sassmann, da hat sich auch was angestaut: Der ist enttäuscht vom Leben, da ist viel Frust da. Jetzt aber nimmt er sich die Freiheit und öffnet das Ventil. Unter einem solchen Aspekt seh' ich auch meine Entscheidung für diese Rolle. 'Schauspieler oder Metzger?' - das war, als ich mich mit Anfang 20 entscheiden musste - meine Hamlet-Frage. Jetzt, mit Mitte 50, hab' ich mir da natürlich einen großen Traum erfüllt. Und ich hoffe, dass das auch bei vielen im Publikum die Frage aufwirft: Pack' ich's an, meine Lebensträume - oder lass ich sie in der Schublade?

Alle, die dabei waren am Samstag vor einer Woche, sagen: Der Auftritt war perfekt. Was soll am Mittwoch, 11. März, noch kommen?

Hottner: Wer glaubt, ein solcher Kraftakt sei von vorneherein eine gmahde Wiesn", der hat schon verloren. Ich übe Text, vertraue auf die Ratschläge meiner grandiosen Regisseurin Bettina Schönenberg und bin ansonsten positiv angespannt.

Wie geht's dann weiter? Entern Sie die großen Bühnen? Ohnsorg-Theater, Wiener Burg, Broadway?

Hottner: Es geht eigentlich nur noch um die Reihenfolge! Nein, im Ernst: Quatsch. Schon am Tag nach der Premiere, als ich zu Hause den Müll runterbringen musste, war klar: Das normale Leben hat mich wieder. Wer es sich leistet, mal zu fliegen, der muss auch wissen, wie er wieder landen kann. Wenn mich jetzt Menschen beglückwünschen und mir Rosen schenken, dann nehme ich das alles mit großer Demut und bescheidenem Stolz entgegen.
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