Michael Lerchenberg mit eindringlicher Version der Heiligen Nacht in der Stadtbibliothek
Der Mensch in allen Facetten

Michael Lerchenberg ließ mit seiner Version der Weihnachtsgeschichte die Zuhörer die Heilige Nacht miterleben. Da wechselten des öfteren Schmunzeln und Mitgefühl. Harfenistin Veronika Ponzer verschafft mit ihren Stücken der Lesung die richtige Atmosphäre. Bild: Steinbacher
Ob grob, hartherzig, mitfühlend oder teilnahmslos. Wenn Michael Lerchenberg die Heilige Nacht von Ludwig Thoma liest, setzt er sein schauspielerisches Talent ebenso dezent wie gekonnt ein.

Volles Haus in der Stadtbibliothek. Lerchenberg entführte das andächtig lauschende Publikum mit der Weihnachtsgeschichte ins Heilige Land vor über 2000 Jahren. Dabei schlüpft der Theatermann in unterschiedliche Rollen, und Harfenistin Veronika Ponzer begleitet mit himmlischen Tönen.

Quäntchen Humor

Eher schlicht und bescheiden setzt sich Lerchenberg an den Lesetisch. Der Adventskranz steht auf der einen Seite, das Bierkrügel, das allerdings nur mit Wasser gefüllt ist, auf der anderen. Im grünen Festkleid nimmt die attraktive Veronika Ponzer neben ihrem Prachtinstrument Platz. Sie greift immer wieder in die Saiten, um mit eingängigen Melodien die passende Atmosphäre zu schaffen.

Michael Lerchenberg, der populäre und beliebte Schauspieler, Double von Edmund Stoiber beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg, einige Jahre auch Fastenprediger Bruder Barnabas und Intendant der Luisenburg-Festspiele in Wunsiedel, beginnt zu erzählen. Er versteht es perfekt, aber doch dezent, sich und die Weihnachtsgeschichte in Szene zu setzen. Die Sprechkultur ist hervorragend, der schauspielerische Auftritt gespickt mit einem Quäntchen Humor, wenn er sich verbal in das zänkische Weib oder in den reichen Bauern verwandelte. Vom philosophierenden Beobachter, vom teilnahmsvollen Begleiter bis zur hartherzigen Base - im Publikum wurde geschmunzelt, aber auch mitgefühlt.

Gesichter wurden lebendig: das vom groben Hausknecht beim Rösslwirt in Bethlehem genauso wie das vom unbekannten Handwerksburschen, der gern einen Apfelschnaps für die Maria gehabt hätte, um sie wieder z'sammzurichten. Ludwig Thomas Heilige Nacht ist ein Klassiker bayerischer Literatur. Bei ihm geht es um Menschen, sehr arme und sehr reiche, um mitfühlende und hartherzige. Die Heilige Nacht hat eine zeitlose, sozialkritische Botschaft. Da wird die Kälte der Großkopferten angeprangert, das gesellschaftliche Gefälle von Arm und Reich sowie die fehlende Mitmenschlichkeit. Wer aufmerksam zuhört, der kann die Kritik am System in den Texten deutlich vernehmen.

Jeder auf seine Art

Schnörkellos aber sehr eindringlich bringt Lerchenberg seine Version der Weihnachtslegende, die in Amberg vor ihm schon Gustl Bayrhammer, Fritz Strassner, Enrico de Paruta oder Reinhold Escherl (auf Oberpfälzisch) ganz wundervoll gelesen haben. Jeder auf seine Art und jeder in seiner ganz eigenen Tonlage.

Das Herz berührt

Das aufmerksame Bibliotheksteam um Leiterin Bettina Weisheit steuerte Glühwein, süße und herzhafte Blätterteigschnecken und ganz zum Schluss auch noch ein Überraschungspackerl mit Nikolaus und Vorschauprogramm bei.

Die alte und längst bekannte Geschichte berührte auch diesmal das Herz. Für den gelungenen adventlichen Abend bedankten sich die Besucher mit großem Applaus.
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