Milde für "dreisten Betrüger"

Der Mann hatte Glück und geriet an milde gestimmte Richter. So kommt es nun, dass der 53-jährige ehemalige Autohändler selbst nach dem dritten Fall von Tacho-Fälschung nicht hinter Gitter muss.

"Sie sind ein dreister Betrüger", hörte der Angeklagte aus dem südöstlichen Landkreis Schwandorf vom Amberger Strafkammervorsitzenden Gerd Dreßler. Diese Feststellung drängte sich förmlich auf. Denn zweimal schon hatte der 53-Jährige Gebrauchtwagen verkauft, an denen die Kilometerleistungen auf dem Tacho gefälscht worden waren.

Nun ein dritter Fall. Anfang vergangenen Jahres wurde von dem 53-Jährigen abermals ein Auto weitergegeben, dessen Tachographenstand manipuliert worden war. 1200 Euro kostete das schon etwas betagte Vehikel, nur noch 600 Euro wäre es ohne die "Schönungen" wert gewesen. In einer ersten Verhandlung vor dem Schwandorfer Amtsgericht hatte der heute nicht mehr als Autohändler tätige Mann hartnäckig geleugnet: "Ich war das nicht." Die Richterin schenkte dieser Behautpung keinen Glauben und schickte den Wiederholungstäter sieben Monate hinter Gitter.

Daraufhin kam es zu einer ersten Berufungsverhandlung vor dem Amberger Landgericht. Dabei machte ein Sohn des Angeklagten entlastende Angaben für seinen Vater. Sie führten später zu einem Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage gegen ihn. Der Prozess ist zwischenzeitlich vor einem Schwandorfer Jugendgericht gelaufen. Es endete mit einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe.

Die Verhandlung gegen den Vater des jungen Mannes wurde seinerzeit vor dem Landgericht abgebrochen, weil er wegen angeblicher Depressionen auf ein medizinisches Gutachten bestand. Das bekam er nun in der Neuauflage des Prozesses. Mit einer eindeutigen Aussage des Landgerichtsarztes Dr. Reiner Miedel: "Keinerlei Beeinträchtigungen."

Hatte er nun den Tacho manipuliert oder nicht? "Nein", blieb der 53-Jährige anfangs hartnäckig. Doch das änderte sich, als Richter Dreßler ihm aufzeigte: "Ohne Geständnis führt der Weg ins Gefängnis." Also beschränkte der Mann seine Berufung auf den sogenannten Rechtsfolgenausspruch (sprich: das in erster Instanz ergangene Urteil) und gab damit die Tacho-Fälschung zu. Außerdem zeigte er sich gewillt, finanziellen Schadenersatz zu leisten. Damit schrammte der Beschuldigte, wie sich zeigen sollte, als mehrfacher Wiederholungstäter tatsächlich erneut am Gefängnisaufenthalt vorbei.

Staatsanwältin Dr. Barbara Tutsch beantragte zwar fünf Monate Haft ohne Bewährung. Doch die 3. Strafkammer des Landgerichts orientierte sich mehr an den Ausführungen von Verteidigerin Manuela Ernstberger (Amberg). Sie hatte darum gebeten, ihrem Mandanten noch eine letzte Chance einzuräumen.

"Immer wieder haben Sie Autokäufer betrogen", sagte Richter Dreßler. Doch die erbetene Chance bekam der Mann: fünf Monate mit Bewährung, außerdem 500 Euro Geldauflage und diverse Weisungen vom Gericht. Sein Sohn wollte in diesem Prozess aus verständlichen Gründen nicht mehr aussagen. Er machte von seinem Verweigerungsrecht Gebrauch.
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