Mit Kunst den Krebs verarbeiten

Prof. Dr. Anton Scharl, Chefarzt der Frauenklinik von St. Marien, Brigitta Schöner vom FFGO, Michaela Peter und Ärztlicher Direktor Dr. Harald Hollnberger (von links) besiegelten die Ausweitung des Kooperationsprojekts zur Kunsttherapie. Bild: hfz

Die Diagnose Krebs erschüttert die meisten Menschen in ihren Grundfesten. Sie weckt oft starke Gefühle wie Wut, Verzweiflung, Ohnmacht. Wo es Betroffenen schwerfällt, diese Emotionen in Worte zu fassen, eignen sich begleitend kreative Therapien, die das Amberger Klinikum anbietet.

Bereits seit sechs Jahren arbeitet St. Marien mit der Kunsttherapeutin Michaela Peter und dem Förderverein Frauengesundheit Oberpfalz (FFGO) zusammen. "Das Angebot wird von unseren Krebspatientinnen gut angenommen und ich erhalte immer wieder positive Rückmeldungen", lobt Professor Dr. Anton Scharl, Chefarzt der Frauenklinik und Leiter des gynäkologischen Krebszentrums, das Gemeinschaftsprojekt.

"Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschlossen, die Kooperation auszuweiten und künftig für alle Patienten unseres Onkologischen Zentrums zugänglich zu machen", ergänzt Dr. Harald Hollnberger, Ärztlicher Direktor des Klinikums und Leiter des Onkologischen Zentrums. "Ab sofort sind also auch krebskranke Männer herzlich eingeladen, das offene Atelier von Frau Peter zu besuchen. Hier danken wir ganz besonders der FFGO für die Finanzierung."

Doch was genau verbirgt sich hinter dem Begriff "offenes Atelier" und was erwartet Interessierte? "Jeweils Mittwochabend und Freitagvormittag können Krebspatientinnen und -patienten in mein Atelier in der Nähe des Malteserplatzes kommen und in einem geschützten Raum auf kreative Weise Themen aufarbeiten, die sie beschäftigen", sagt Kunsttherapeutin Michaela Peter. "Der Schaffensprozess hat etwas Meditatives. Die Menschen kommen in dieser Zeit zur Ruhe und erweitern den Blick auf das eigene Sein. Mir als Therapeutin helfen die Bilder, Werke und Skulpturen, Zugang zu den Patienten und ihren besonderen Situationen zu bekommen", erläutert die 46-jährige gelernte Krankenschwester und Kunsttherapeutin.

Je nach Interesse werden die fertigen Werke nach ihrer Auskunft anschließend gemeinsam oder in Einzelunterredungen besprochen. "Ein wertschätzender Umgang miteinander ist mir dabei sehr wichtig", so die Kunsttherapeutin. Die positive Wirkung von Gestalten auf den Genesungsprozess wurde laut Klinikum bereits wissenschaftlich belegt: Eine Studie des Northwestern Memorial Hospitals in Chicago zeige, dass Krebspatienten, die regelmäßig eine Stunde malen, über deutlich weniger Beschwerden klagten. Durch die Konzentration auf den Schaffensprozess gehen nach der Studie Symptome wie Angst oder Erschöpfung deutlich zurück, während die subjektiv empfundene Lebensqualität merklich gesteigert werden könne.

Onkologische Patienten, die Interesse haben, sind laut Klinikum eingeladen, das offene Atelier von Michaela Peter zu besuchen. Die Kurse finden jeweils Mittwoch zwischen 18.30 und 21.30 Uhr und freitags von 9.30 bis 12.30 Uhr in den Räumen des Amberger Kunstkombinats (Neustift 47) statt. Für das Material fallen je Kurs zwei Euro an. Anmeldungen sind über die Kunsttherapeutin (mail@michaela-peter.de) möglich.
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