Mit Pickel und Schaufeln

Den Startschuss zum 1. Amberger Silvesterlauf am 31. Dezember 1990 gab Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer (rechts im Bild) ab, und über 300 Läufer setzten sich am Markplatz an der Ecke der ehemaligen Kreissparkasse Richtung Krambrücke in Bewegung. Bild: Ziegler

Fast wie ein Ritual: Wilhelm Anderl kommt jedes Jahr mit dem Zug nach Amberg, steigt aus und läuft beim Silvesterlauf mit. Dann wieder rein in den Zug, und Anderl fährt zu seinen Verwandten nach Cham - um dort den Jahreswechsel zu feiern.

Anderl stammt aus Waiblingen, ist Jahrgang 1937 und zählt zu den ältesten und treuesten Teilnehmern. Ob Anderl auch heuer mitmacht - das weiß Bernd Stief noch nicht.

Der Organisator feiert mit seiner Truppe von CIS Amberg in diesem Jahr ein Jubiläum: Zum 25. Mal laufen die Sportler vom Marktplatz los, umrunden die Stadt und kehren zum Start- und Zielpunkt zurück. Das Ganze ist entstanden aus der Idee heraus, dass "wir bei CIS einen eigenen Lauf anbieten wollten." Das Jahr war aber schon mit Laufterminen vollgestopft, und so bot sich der letzte Tag als Lösung an - ein Glücksgriff, denn auf Anhieb starteten über 300 Läufer bei der Premiere 1990.

"Wir müssen verlegen"

In bisher 24 Rennen ist einiges passiert, gibt es eine Reihe von Anekdoten. Auch das Wetter spielt bei den Silvesterläufen eine große Rolle. Denn 1998 verlegten die Organisatoren die Strecke, weil im Jahr zuvor Schnee und Eis für kaum überwindbare Passagen gesorgt haben. "Im Stadtgraben bei der Vilsbrücke war's besonders schlimm", erinnert sich Stief. Mit Pickel, Hacken und Schaufeln rückten Vereinsmitglieder an, um den Weg eisfrei zu bekommen. Das gelang nur teilweise, und so stand der Entschluss fest: "Wir müssen verlegen." Ab 1998 liefen die Teilnehmer nicht mehr unten im Stadtgraben, sondern oben und bogen dann nach der Vilsbrücke rechts ab und hinter dem Maximilians-Hotel vor und auf dem Gehsteig bis zum Bahnhof. "Das war schon besser, denn der Anstieg vor der Tiefgarage war gefürchtet", sagt Stief. Besser, weil die Stadt Amberg oben immer räumt und geräumt hat, so dass für die Läufer "ordentliche Verhältnisse herrschen." Haarscharf vor dem Super-GAU stand das Rennen 2005. Nachdem es zwei Tage lang leicht geschneit hatte, setzte leichter Regen ein - der später in Eisregen überging. "Aber gottseidank erst, als der letzte Läufer schon im Ziel war. Sonst hätten wir abbrechen müssen", erklärt Stief.

Kalt war es oft, am kältesten 1996 mit minus 12 Grad. Was einige Läufer nicht davon abhielt, dennoch in kurzen Hosen zu laufen. "Aber mit Handschuhen und Mütze, das hat schon ein bisschen komisch ausgesehen", sagt Stief. Nicht immer war es kalt. 1996, so erinnert sich der Organisator, gab's mit knapp 12 Grad plus fast frühlingshafte Temperaturen.

Sachsen-Sieger

1993 erhielt CIS Amberg Besuch aus Sachsen: Eine 20-köpfige Truppe des Dresdner SC war Richtung Koblenz unterwegs, um dort am Silvesterlauf teilzunehmen. Doch der Rhein hatte Hochwasser, und der Lauf musste abgesagt werden. Nach einigen Telefonaten erfuhren die Sachsen vom Lauf in Amberg und änderten die Richtung: Die Oberpfalz war das neue Ziel. "Die hatten richtig gute Leute dabei", weiß Stief noch. Weswegen es kaum verwunderlich war, dass sowohl der Herren- als auch der Damensieger aus Dresden kamen. Und es wurde eine lange Nacht: Gemeinsam feierten dann die Sachsen und CIS-Mitglieder im BRK-Heim Silvester.

Weltmeister dabei

Thema Sieger: 1999 hatte sich ein kleiner Haufen aus Herzogenaurach angemeldet - angeblich eine Hobbytruppe (Stief: Repräsentanten von Adidas"), die nur zu Trainingszwecken nach Amberg kommen wollte. "Ja, und dann hat da einer gewonnen, den wir überhaupt nicht auf der Rechnung hatten", sagt Stief. Der eine, das war der Engländer Martin Jones. Seines Zeichens ehemaliger Crossweltmeister - aber "das haben wir erst bei der Siegerehrung erfahren." Für Jones war es tatsächlich nur ein kleiner Trainingslauf.

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Anmeldung zum Silvesterlauf:

http://www.cis-amberg.de Bilder vom Silvesterlauf 1990: http://www.oberpfalznetz/silvesterlauf1990
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