Mit viel Süßem ins Jahr 5776

An Rosch ha-Schana, dem jüdischen Neujahrsfest, wird traditionell auf dem Schofar, dem Horn eines Widders, geblasen. Bild: Steinbacher

Apfelspalten werden in Honig getaucht und gegessen: Dies soll ein süßes neues Jahr verheißen. Für Juden in aller Welt begann am Sonntagabend das zweitägige Rosch ha-Schana. Mit diesem Fest starteten sie in ein neues Jahr - in das 5776. ihrer Zeitrechnung.

Zu einem Gebet in der Synagoge trafen sich am Sonntagabend die Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinde. Sehr viele Menschen waren gekommen, Rosch ha-Schana, wie das jüdische Neujahrsfest heißt, ist für sie einer der höchsten Feiertage.

"Auch Fremde lieben"

In der Synagoge sprach Rabbiner Elias Dray auch die Flüchtlingsfrage an. Anhand der Kaschrut, dem jüdischen Speisegesetz, zählte er auf, welche Lebensmittel koscher - und damit für Juden erlaubt - sind: Fleisch, das von Tieren ist, die Wiederkäuer sind und gespaltene Klauen haben. Vögel bilden laut Dray eine eigene Kategorie. Diesbezüglich gibt eine Liste vor, was gegessen werden darf. Der Storch zählt nicht dazu. Einerseits kümmere er sich aufopferungsvoll um seinen Nachwuchs (im Gegensatz zu den Raben, woher auch der Begriff der Rabenmutter rührt), andererseits könne er zu anderen, also fremden Vögeln sehr grausam sein.

"Du sollst nicht nur deine Freunde lieben, du sollst auch Fremde lieben", zitierte der Rabbiner aus der Tora und forderte die Mitglieder seiner Gemeinde dazu auf, diese Menschen mit offenen Armen zu empfangen. Demnächst werde es eine gemeinsame Veranstaltung aller Regionen in Amberg geben, die sich ebenfalls mit der Flüchtlings-Thematik befassen wird.

Nach dem Gebet gingen die Menschen in den Gemeindesaal oberhalb der Synagoge zu einem gemeinsamen Festessen. Nach einem Segensgebet, das Dray sprach, tunkten sie Lebensmittel in Honig ein: erst Brot, das in runder Form gebacken wurde, weil es den Jahreskreis symbolisiert, und dann Apfelspalten - damit verbinden Juden den Wunsch, das neue Jahr möge für sie süß sein. "Zimes", also süße Karotten, und Granatapfel sind ebenfalls Speisen, die eine Bedeutung haben.

An der Feier nahmen auch einige Gäste teil, darunter Juden, die aus Berlin angereist waren. Einer von ihnen sprach ebenfalls über die Bräuche zu Rosch ha-Schana. Er warf die Frage auf, ob es nicht reichen würde, ein Kilo Äpfel und ganz viel Honig zu essen, um auf jeden Fall ein gutes neues Jahr zu haben. Sogleich verneinte er dies, es sei kein Automatismus. Man müsse gottesfürchtig sein, Rosch ha-Schana sei ebenso der Gerichtstag. Und das wichtigste sei das Leben - natürlich auch, ein gutes Leben zu führen. Und darum würde man an Rosch ha-Schana bitten.
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