Mittelalter im Schuttcontainer

Das Gebäude in der historischen Altstadt wurde 1538 erstmals erwähnt. Ein bauliches Kleinod also, dessen ebenfalls unter Denkmalschutz stehendes Kellergewölbe in einem Schuttcontainer landete. Dies kostet den Hausbesitzer jetzt 10 000 Euro.

Die Amtsrichterin ging der Angelegenheit sehr genau auf den Grund und stieg dazu tief hinab in Ambergs geschichtliche Vergangenheit. Nicht weit von ihr entfernt hatte ein Mitarbeiter des städtischen Bauamts Platz genommen. Er schilderte, wie seine Behörde heuer im Januar bei einem Kontrollbesuch Unliebsames feststellen musste. In einem Anwesen nicht weit vom Marktplatz entfernt war, wie man befremdet zur Kenntnis nehmen musste, das 54 Quadratmeter umfassende Kellergewölbe nicht mehr vorhanden. Einfach weg, unwiederbringbar verschwunden. Ein Stück Mittelalter, als Brocken und Staub in einem Container gelandet.

"Nach Gutsherrenart"

Den 62-jährigen Hausbesitzer, gleichzeitig Verursacher des denkmalschützerischen Desasters, kannte die Baubehörde schon von ähnlichen Vorkommnissen. Aus Schilderungen, die Richterin Kathrin Rieger vorgetragen wurden, formte sich der Eindruck: Der Mann fuhrwerkt an seinem Eigentum nach Gutsherrenart, er schert sich wenig um historisch wertvollen Bestand, geht ohne Genehmigung vor.

Im zur Debatte stehenden Fall hätte er sie niemals bekommen. Das Bauamt schickte dem 62-Jährigen einen Bußgeldbescheid über 35 000 Euro. Diese Summe, so erfuhr die Richterin, habe sich in etwa an der Höhe aller Wiederherstellungkosten orientiert. "Das geht nicht", konterte Kathrin Rieger und belehrte den kommunalen Vertreter: "Solche Auflagen bemessen sich vorrangig an den Einkommensverhältnissen." Worauf sie hörte, dass der Mann seine finanzielle Lage quasi verschleiere und eher den Bedürftigen spiele, obgleich er allein in seinen Immobilien "Millionenwerte" besitze.

Wie aber kam es zum Abriss des Gewölbes? "Ich habe im Erdgeschoss Spanplatten entfernt, die am Boden auf Sand lagen", wurde der Vorsitzenden erzählt. "Dann ist ein Stück des darunter liegenden Kellergewölbes eingebrochen." Ob das stimmte, ließ sich letztlich nicht klären. "Aber Sie haben gleich auch noch den Rest entfernt", vermutete Kathrin Rieger und fügte hinzu: "Das Gemäuer hat Sie halt gestört. Es war eben zu alt." Na ja, ließ der Beschuldigte über seinen Anwalt Dieter Spieß nach einigem Zögern verlauten, irgendwie sei es schon so gewesen.

Was folgte, war eine Art Pokerspiel um die Buße. Er lebe von 537 Euro im Monat, barmte der Hausbesitzer. Dann rechnete man ihm vor, dass er monatlich nahezu 6000 Euro allein an Mieteinnahmen hat. Doch diese Beträge, ließ er anwaltlich vortragen, flössen in die Finanzierung seiner Liegenschaften. Von daher seien 1800 Euro Bußgeld genug.

Richterliche Rechnung

Die Richterin stellte ihre eigenen Rechnungen zu den Einkommensverhältnissen an und reduzierte den von der Stadt erlassenen Bescheid auf 10 000 Euro. Womit gleichzeitig auch fest stand: Der Einspruch in dieser Ordnungswidrigkeitssache hatte sich für den Denkmalschutz-Ignoranten rentiert.
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