Mix aus Wohnen und Erleben

Der Handel, der in die Fachmärkte auf der grünen Wiese oder ins Internet abgewandert ist, kommt nicht mehr in die Innenstadt.

Das IHK-Gremium begleitet die Entwicklung der Innenstadt seit Jahren kritisch, aber auch mit vielen Vorschlägen. Jetzt sehen die Wirtschaftsvertreter eine Gefahr auf die Altstadt zukommen. Aber auch eine Chance.

Amberg. Mit Blick auf die strukturellen Veränderungen im Handel und einem wachsenden Anteil des Online-Geschäfts geht das IHK-Gremium davon aus, dass der Bedarf an Handelsflächen in der Innenstadt sinken könnte. Positiv beurteilen die Experten laut einer Pressemitteilung, dass die Stadtspitze um Oberbürgermeister Michael Cerny den Handlungsbedarf erkannt habe. "Im Stadtrat herrscht gegenwärtig ein Wettbewerb um gute Ideen und kein Gegeneinander mehr", attestierte Gremiumsvorsitzender Dr. Rolf Pfeiffer.

Immer mehr Leerstände

Vorstandsmitglied Markus Frauendorfer berichtete mit Geschäftsführer Johann Schmalzl über den konstruktiven Dialog mit dem Rathaus. "Ein Leerstands-Management löst keine Probleme", brachte der Möbelhändler die Position des IHK-Gremiums angesichts einer wachsenden Zahl leerstehender Gewerbeimmobilien im Stadtzentrum zum Ausdruck.

In Zonen aufteilen

Aus Sicht des IHK-Gremiums geht es darum, das Stadtzentrum fit für die Zukunft zu machen. Die sehen die Wirtschaftsvertreter im intelligenten Mix aus Wohnen und Erleben. "Der Handel, der in die Fachmärkte auf der grünen Wiese oder ins Internet abgewandert ist, kommt nicht mehr in die Innenstadt", stellte Schmalzl fest. Jetzt gehe es darum, den Bestand an Händlern zu stärken, indem man die Innenstadt in Zonen für Gewerbe und Wohnen aufteile.

Der Handel sollte sich laut Schmalzl auf die Hauptachse von Bahnhofs- und Georgenstraße konzentrieren: "Dort brauchen wir eine attraktive Einkaufsmeile, die zum Flanieren, Einkaufen und Einkehren einlädt." In den anderen Teilen sollten attraktive Wohn- und Dienstleistungsflächen geschaffen werden. Auf dem Gelände des Bürgerspitals empfiehlt das IHK-Gremium die Ansiedlung eines zentralen Nahversorgers mit ausreichend Parkplätzen. "Wenn Bewohner in die Innenstadt ziehen, müssen sie sich dort auch mit Lebensmitteln eindecken können", gab Gewerbebau-Geschäftsführer Karlheinz Brandelik zu bedenken. Er denkt dabei auch an die Beschäftigten in der Innenstadt.

Gezieltes Stadtmarketing und Veranstaltungen machen die Innenstadt attraktiver und stärken ihr Image auch bei den Einheimischen. "Oft gefällt den Gästen von Amberg die Stadt besser als den Ambergern selbst", brachte es Markus Frauendorfer überspitzt auf den Punkt. Damit die Amberger wieder gerne in ihr Zentrum ziehen, bräuchten sie neben einer Nahversorgung auch Räume mit hoher Aufenthaltsqualität und attraktiver Wohnbebauung.

Denkmalschutz beachten

Von der Stadtverwaltung wünscht sich das IHK-Gremium laut Pressetext, dass sie Offenheit bei der Gebäudesanierung zeige, wenn ein Altstadthaus zum Wohnhaus werden soll. Für Pfeiffer muss im Einzelfall auch einmal das Interesse des Denkmalschutzes hinter dem Ziel einer modernen Nutzung der Altstadt zurückstehen. Nicht zuletzt gehe es darum, genügend Parkplätze für Anwohner und Kunden anzubieten.
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