Modehaus Eckert schließt am Samstag für immer
Bald so leblos wie das Forum

Aus! Schluss! Ende! An der Bahnhofstraße schließt Ambergs größtes und traditionsreichstes Geschäft für Damenoberbekleidung seiner Art.

Therese Eckert spricht von einem "kleinen Paradies" und meint damit ihren großen Garten in Rosenberg. Dort wird die 64-Jährige künftig viel mehr Zeit verbringen. Denn am Samstag ist es um 17 Uhr vorbei, das Arbeitsleben. Dann sind die Sechs-Tage-Wochen ebenso Vergangenheit wie das Modehaus Eckert.

"Ich habe jetzt schon Schmetterlinge im Bauch", gesteht Therese Eckert, die ihr Geschäft für Damenoberbekleidung in der Bahnhofstraße am Samstag schließen wird. Für immer. Nach exakt 50 Berufsjahren und nach 37 Jahren an dieser Stelle. 1977 hatte die Stadt den Eckert-Bau speziell für den Einzelhandel errichtet, den Mietvertrag aber heuer nicht verlängert. Hintergrund ist die Neugestaltung des Bürgerspital-Areals (wir berichteten).

Therese Eckert findet im Moment kaum eine ruhige Minute. Stammkundinnen, Schnäppchenjägerinnen und Neugierige füllen den Laden. Auch einige Männer, die sich nicht für die reduzierte Ware interessieren, sondern für das Inventar. Stühle, Tische, das alles wird für 15 Euro pro Stück verkauft. Auch die Kleiderbügel sind beliebt. Einer kostet zwei Euro. Der Erlös geht an Flika, den Förderverein für Kinder und Jugendliche.

Zeit für Jonas und Johanna

Die Schränke sind längst abgebaut, die Reihen lichten sich zusehends. Das Modehaus ähnelt immer mehr seinem Nachbarn - dem leeren Forum. Auch mit Blick auf das verwaiste Kaufhaus sagt eine 66-jährige Stammkundin aus Sulzbach-Rosenberg, die anonym bleiben möchte: "Für mich gibt es jetzt keinen Grund mehr, nach Amberg zu kommen. Da werden andere auch so denken."

Auch Therese Eckert denkt an die Zeit danach. Ihre Zeit. "Ich gehe mehr mit einem lachenden Auge." Ihre Patenkinder seien bisher etwas zu kurz gekommen. Das wird sich ändern, Jonas (6) und Johanna (3) leben in Amberg. Für die Rosenbergerin gibt es noch mehr Gründe, regelmäßig zurückzukehren: "Den Markt am Mittwoch und Samstag werde ich auf jeden Fall besuchen." Zudem ist ihr Lieblingsfriseur in der Altstadt.

"Ich habe 50 Jahre ununterbrochen gearbeitet. Ich kann guten Gewissens aufhören." Therese Eckert kann auch ohne Bedenken abtreten, denn sie hat dafür gesorgt, dass ihre Mitarbeiterinnen nicht auf der Straße stehen. Sophie Hammer, die früher bei Blusen Bauer tätig war, geht ebenfalls in Ruhestand. Das hätte sie schon im Sommer gekonnt, allerdings: "Ich habe Therese versprochen, bis zum Schluss weiterzumachen."

Personal kommt unter

Rosemarie Bierler, Dagmar Kulzer und Manuela Nübler wechseln zum Neumarkter Unternehmen Kürzinger, das laut Eckert im Frühjahr einen Laden für Damenoberbekleidung in der Georgenstraße eröffnen wird. Damit werde die Lücke, die sie hinterlasse, einigermaßen geschlossen, so die 64-Jährige, die am Samstag für Freunde und Stammkundinnen ein Gläschen zum Abschied vorbereitet, aber kein großes Aufsehen erregen will: "Ich gehe so leise, wie ich gekommen bin."
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