Musical "Höchste Zeit" thematisiert am Stadttheater Amberg die Sehnsüchte und Probleme der Frau
Steh als Frau deinen Mann

Wer schon einmal aufgrund zu hohen Alkoholgenusses so richtig abgestürzt ist, weiß, wie sie leidet. Die Braut in spe, wunderbar verkörpert durch Franziska Becker, torkelt im Amberger Stadttheater derangiert auf die Bühne, um mit ihren vermeintlichen Freundinnen den Tag ihrer Hochzeit zu begehen. Der Abschied vom Leben als Junggesellin fällt der Lebe- und Karrierefrau wahrlich nicht leicht, doch wie es der Titel des Musicals schon ausdrückt, ist es dafür "Höchste Zeit".

Passend zur Situation

Vier Frauen, vier Charaktere und vier verschiedene Lebensmuster bekommt das Publikum auf amüsante Art und Weise geboten. Da findet sich in jeder Darstellerin und ihrer Rolle das wahre Leben wieder und sowohl Frau als auch Mann können herzlich darüber lachen. Das Bühnenbild zeigt eine exklusive Hotelsuite mit vierköpfiger männlicher Liveband hinter der Bar. Und diese spielt locker und lässig die unterschiedlichsten Coverversionen bekannter Hits, jeweils passend und neu getextet zur jeweiligen Situation. Als Nachfolgeshow von "Heiße Zeiten" werden die Zuschauer nicht nur wieder in die Abgründe einer Damenhandtasche, sondern auch in die der weiblichen Psyche geleitet.

Ob es nun die langjährig verheiratete, unterdrückte Hausfrau - wunderbar witzig gespielt von Angelika Mann - oder die verbitterte in Scheidung lebende Noch-Ehefrau (Heike Jonca) ist, immer dreht es sich um die Frage: "Wer bin ich und was will ich?" Hin und her gerissen sind die vier Damen in ihrer Beziehungs- und Lebensproblematik.

Nichts ist fremd

Aufstöhnende Sätze wie "Ist Ihnen auch so heiß?" und "Ich mach ja Diät. Momentan sogar zwei, weil von einer wird man nicht satt", kennt jede Frau um die 50. Aber auch das Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit der jungen Mutter (überzeugend dargestellt von Nini Stadelmann) mit ihrem Wunsch nach Perfektion in Familie und Beruf ist keiner fremd. Und so treffen die lustigen Dialoge und die fetzigen oder gefühlvollen Lieder vor allem die Lachmuskeln, aber auch so manches Mal direkt ins Herz. Und zu guter Letzt gibt das Ensemble den Rat mit nach Hause: "Steh als Frau deinen Mann."
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