Muslime, Juden, Christen und Jesiden versichern sich gegenseitig Toleranz
Ein Zeichen der Gemeinsamkeit

Rabbiner Elias Drey begrüßt die Gäste im Saal der Synagoge. Sie alle sind gewillt, aus dem Gegensatz der Religionen ein friedliches Miteinander zu machen. Bild: hfz

Deutlicher hätte der Gegensatz zum derzeit laufenden Terror des "Islamischen Staates" in Irak und Syrien kaum sein können: Muslime, Juden, Christen und Jesiden versichern sich gegenseitig Toleranz. So passiert in der Synagoge.

Eine mittlerweile eingeschworene Gruppe von engagierten Menschen ganz unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften trafen sich auch heuer wieder während der "Interkulturellen Woche" zur Versammlung der Religionen in Amberg. Sie wollte inmitten von Terror und Krieg in vielen Teilen der Welt ein eindeutiges Zeichen für ein friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen zu setzen. Das Thema des Abends: "So sollt auch ihr den Fremdling lieben! - Im Glauben den Rassismus überwinden."

Hausherr, Rabbiner Elias Dray, verwies darauf, dass Leben in der Fremde und Umgang mit Fremden tief in die Geschichte und das kollektive Gedächtnis des jüdischen Glaubens eingegraben seien. Deshalb sei es ihm ein Herzensanliegen, dass seine Gemeinde der Versammlung Gastfreundschaft gewähre.

Pfarrer Dr. Reinhard Böttcher vom Evangelischen Bildungswerk, den Rabbiner Dray schmunzelnd die Mutter und das Herz der Versammlung der Religionen nannte, erinnerte an die Notwendigkeit, der rechtspopulistisch geschürten Fremdenfeindlichkeit entgegenzutreten, die sich breit zu machen drohe angesichts der Wellen von Vertriebenen und Flüchtlingen, die verzweifelt ihre Heimat verlassen und an unsere Türen klopfen.

So rief Christoph Horn, Priester der Neuapostolischen Gemeinde, mit Bezug auf die alttestamentliche Josephsgeschichte dazu auf, wachsam die Augen offen zu halten angesichts des immer wieder aufflackernden Fremdenhasses. Ahmet Yüksel, Vorstandsmitglied der Türkisch-Islamischen Gemeinde, legte anhand einschlägiger Texte dar, dass der Koran die Existenz unterschiedlicher Religionen anerkennt - auch die von "Nicht-Gläubigen". Und dass die heilige Schrift der Muslime dazu auffordere, besonders den "Buchbesitzern", den Juden und Christen, mit Ehrerbietung zu begegnen.

Marina Koller von der Russisch-Orthodoxen Gemeinde verwies unter Anspielung auf die biblische Weihnachtsgeschichte auf den Zusammenhang zwischen verschlossenen oder offenen Haustüren und Herzenstüren. Zusammen mit Reinhard Franz, lutherischer Gemeindediakon, beschwor sie die Gastfreundschaft, die die lutherische Erlösergemeinde der Russisch-Orthodoxen Gemeinde in ihrem eigenen hölzernen Gotteshaus am Bergsteig bis zum heutigen Tag gewährt.

Sich selber kontrollieren

Diakon Richard Sellmayer und Pater Alfred Lindner für die Katholische Erwachsenenbildung riefen die bewegende erste Reise von Papst Franziskus auf die italienische Flüchtlingsinsel Lampedusa in Erinnerung sowie das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965), auf dem sich die Römisch-Katholische Kirche den anderen Kirchen und Religionen sowie den Problemen der Welt weit geöffnet habe. Waltraud Mayerl vom Evangelischen Bildungswerk verwies auf die Spannung zwischen dem guten Willen einerseits und der schwierigen Umsetzung in der alltäglich gelebten Praxis andererseits. "Überlegen Sie einmal, wo Sie rassistische Reste in sich selber spüren!"

Bewegend war ein Grusswort des Vorsitzenden der jesidischen Gemeinde, Sheko Daud. Dieses gab Einblick in die Angst, die die zahlreichen in Amberg lebenden Jesiden derzeit um ihre im Irak und Syrien verfolgten Verwandten und Glaubensgenossen umtreibt. Noch immer befindet sich diese Gemeinde übrigens auf der Suche nach einem Raum in Amberg für ihre Zusammenkünfte.

Immer wieder wurden die Redebeiträge durch kurze Musikstücke unterbrochen. So intonierte etwa Siegfried Kratzer, Erster Vorsitzender des Evangelischen Bildungswerks, das Lied "Brüder singt ein Lied der Freude" nach Beethovens berühmter Ode, das alle Anwesenden begeistert miteinander sangen.
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2014 (8406)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.