Mutter und Fahrer genug gestraft

Auch fast drei Monate nach dem tragischen Unglück liegen noch Steine und Blumen unweit der Stelle, wo ein einjähriges Mädchen von einem Citybus überrollt wurde. Bild: Steinbacher

Mutter und Busfahrer müssen sich nicht in einem öffentlichen Prozess wegen fahrlässiger Tötung verantworten. "Nach ausführlicher Sichtung aller Unterlagen und Beweismittel wurden beide Verfahren mit Genehmigung des Amtsgerichts eingestellt", sagt der Sprecher der Amberger Staatsanwaltschaft.

Dr. Thomas Strohmeier benutzt in diesem Fall auch ganz "unjuristische" Äußerungen: "Jeder, der Kinder hat, weiß, dass das jedem von uns hätte passieren können. Es war ein Ereignis mit katastrophalen Folgen." Die Tragödie, die sich am Donnerstag, 2. Juli, am Amberger Busbahnhof abspielte, dauerte nur wenige Sekunden. Eine Frau stieg mit ihrer einjährigen Tochter auf dem Arm aus dem Bus. Sie stellte das Kind, das noch nicht eigenständig laufen konnte, auf den Boden. Es stürzte unvermittelt auf die Fahrbahn, direkt vor den hinteren rechten Reifen. In diesem Moment fuhr der Bus los und überrollte das Mädchen. Es war sofort tot. "Diese zwei extrem verhängnisvollen Handlungen treffen in einer zeitlichen Tragik aufeinander", sagt Strohmeier.

Gegen die Mutter und den Busfahrer wurde daraufhin wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Das Kind sei "in der allgemeinen Hektik" unmittelbar nach dem Aussteigen aus dem Bus in einem Bereich hingestellt worden, der durch die gelbe Markierung als gefährlich gekennzeichnet gewesen sei. "Deshalb ist der Tatbestand der fahrlässigen Tötung erfüllt." Dem Busfahrer lag zur Last, dass er aus dem Bahnhof ausfuhr, ohne zu wissen, wo sich das Kind genau befand. Ein Gutachten für Unfallanalytik habe ergeben, dass beim Blick in den rechten Spiegel zwar die Mutter zu sehen war, aufgrund der Blickachse allerdings die Kleine von der Mutter verdeckt worden sei, so Strohmeier.

"Hätte er das Kind gesehen, wären wir im Bereich des Vorsatzes", sagte der Oberstaatsanwalt. Der Fahrer sei davon ausgegangen, dass es sich an der Hand befindet, vergewisserte sich allerdings nicht, beispielsweise durch das Öffnen der Tür, und fuhr los - eine "fahrlässige Tötung, die absolut im untersten Bereich liegt". Der Verschuldungsgrad sei somit nicht schwerwiegend, allerdings mit einem "katastrophalen Ergebnis". Bis zu diesem Vorfall habe sich der Busfahrer "unseren Erkenntnissen nach" umsichtig verhalten. "Während des Einfahrvorgangs wurde alles beachtet, um keine Personen zu gefährden, ebenso während des Aussteigens."

Es werde ebenfalls davon ausgegangen, dass der Busfahrer vor dem Start in den rechten Spiegel gesehen habe. "Wenn sich nur eine der beiden Personen anders verhalten hätte, hätten wir kein totes Kind", verdeutlicht Strohmeier die Dramatik des zeitlichen Zusammenspiels.

In Bezug auf die Mutter beruft sich die Staatsanwaltschaft unter Zustimmung des Gerichts auf Paragraf 153 der Strafprozessordnung, ein im juristischen Sinn "Absehen von der Verfolgung bei Geringfügigkeit".

Natürlich ist dies rein juristisch zu verstehen. "Die Mutter hat einen enormen Verlust erlitten, was wäre demgegenüber eine Geldstrafe?", sagte Strohmeier.
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