Nach der Razzia beim
Schweiger: Nichts zu verbergen

FC Amberg hüllte sich Vorstandsvorsitzender Helmut Schweiger zunächst in Schweigen. Am Montag aber reagierte er. Die Staatsanwaltschaft hatte kurz zuvor den Verdacht formuliert: Es soll zu Unregelmäßigkeiten bei Sozialabgaben der Spieler gekommen sein.

Amberg. (tk) Die knapp über 500 Zuschauer, die am Samstagnachmittag das 3:0 gegen Bayernliga-Schlusslicht Memmelsdorf bejubelten, konnten zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen: Der FC Amberg wird bald für ganz andere Schlagzeilen sorgen, die weitaus mehr Aufsehen erregen.

"Schwebendes Verfahren"

Die Meldung, dass es am Donnerstagmorgen zu 13 Hausdurchsuchungen gekommen sein soll, wollte Vorstandsvorsitzender Helmut Schweiger am Wochenende zunächst nicht kommentieren. Über FC-Pressesprecher Stephan Landgraf ließ er aber am Montag schriftlich mitteilen: "Wir bestätigen die am Donnerstag durchgeführte Aktion. Nachdem es sich aber um ein schwebendes Verfahren handelt, dessen Ermittlungsergebnisse bis dato noch ausstehen, können wir verständlicherweise zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine weiteren Auskünfte erteilen. Aber wir werden natürlich mit den ermittelnden Behörden eng zusammenarbeiten." Das ist neben dem Zoll mit seiner Abteilung Finanzkontrolle Schwarzarbeit in erster Linie die Regensburger Staatsanwaltschaft, deren Sprecher Markus Pfaller sagte: "Die Ermittlungen laufen. Es geht um Beschäftigungsverhältnisse. Wir sagen im Moment nicht mehr dazu." Nur so viel: "Es geht um Sozialabgaben."

Mehrere Vernehmungen

Die Frage, wie die Kontrolleure auf den FC Amberg aufmerksam geworden sind, ließ Pfaller "aus ermittlungstaktischen Gründen" unbeantwortet. Auch ansonsten wollte er keine näheren Angaben machen: "Wir werden was sagen, wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind." Das könne allerdings noch dauern: "Das wird eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen." Fest stehe zum jetzigen Zeitpunkt lediglich, dass mehrere Vernehmungen erforderlich sind und Personen befragt werden.

Zum Beispiel Helmut Schweiger, der in seiner Mitteilung deutlich machen lässt, dass die Ermittlungsbeamten auch in seiner Firma IVS GmbH vor Ort waren und Unterlagen gesichtet wurden. Er habe nichts zu verbergen: "Alle Spieler des FC Amberg und auch anderer Vereine, die bei der IVS angestellt sind, arbeiten zu 100 Prozent bei der IVS." Schweiger, der früher selbst für die Gelb-Schwarzen kickte und seit 2012 an der Club-Spitze steht, spricht von einem Fünf-Jahres-Plan, der bis in die vierthöchste deutsche Liga führen soll und an dem er trotz der laufenden Ermittlungen festhält: "Was gibt es denn für einen Firmenchef und Jugendförderer Besseres, wenn ein Mensch eine sehr gute schulische und/oder berufliche Ausbildung hat und dazu auch noch gut Fußball spielen kann und diese beiden Faktoren noch dazu koordinierbar sind?"

Bis jetzt habe er vor allem für die Jugendarbeit eine sechsstellige Summe in Form von Spenden und Sponsoring persönlich eingebracht. In der Mitteilung heißt es weiter: "Ich werde meine bereits getätigten Zusagen für weitere Spenden aufrechterhalten. Denn ohne finanzielle Unterstützung kann eine Abteilung Fußball mit rund 300 Kindern und Erwachsenen nicht überleben." An der von Thomas Bärthlein, dem Vorsitzenden des Gesamtvereins TV 1861, ins Spiel gebrachten Lösung, den FC auszugliedern, werde weiterhin gearbeitet.

Mannschaft war informiert

Bis ein Ermittlungsergebnis vorliegt, werde das Ziel Aufstieg in die Regionalliga konsequent weiterverfolgt. Das ist voll und ganz im Sinne von Co-Trainer Bernd Scheibl: "Wir müssen uns aufs Sportliche konzentrieren." Das sei eindrucksvoll gelungen, denn die Mannschaft habe bereits am Freitag nach dem Abschlusstraining von den Durchsuchungen erfahren, sich am Samstag gegen Memmelsdorf aber professionell präsentiert. (Kommentar/Nachgefragt)
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