Nach Flaschenhieb in Haft

Er schlug so heftig zu, dass die Bierflasche auf dem Kopf seines Kontrahenten zerbrach und der Mann mit erheblichen Verletzungen zu Boden ging. Dafür muss ein 42-Jähriger nun ins Gefängnis.

Bewährung? "Dafür gibt es wenig Chancen", machte Richter Gerd Dreßler dem Angeklagten klar. Denn allein schon das umfangreiche Vorstrafenregister, darunter sexueller Missbrauch und räuberischer Diebstahl, ließ keinen Raum für Nachsicht.

Dennoch war der 42-Jährige aus dem südlichen Kreis Schwandorf nach einem Urteil des Amtsgerichts in die nächste Instanz gegangen. Worauf nun die 3. Strafkammer des Landgerichts Amberg den Fall von gefährlicher Körperverletzung zu verhandeln hatte. Der Mann leidet an Epilepsie. Nach einem Gutachten der Nürnberger Psychiaterin Dr. Anna Wunder-Lippert war das Schwandorfer Amtsgericht deshalb in seiner Entscheidung von verminderter Schuldfähigkeit ausgegangen.

Harter Faustschlag

Gleichwohl konnte sich der Angeklagte nicht gänzlich aus der Verantwortung ziehen, als es im April 2013 zu einem heftigen Übergriff in der Heimatgemeinde des 42-Jährigen kam. Ohne erkennbaren Grund ging er plötzlich auf einen Bekannten los und versetzte dem Mann zunächst einen harten Faustschlag gegen den Kiefer. Unmittelbar darauf griff der Schläger zu einer Flasche und drosch sie seinem wehrlosen Kontrahenten so heftig auf den Kopf, dass Scherben flogen und eine blutende Platzwunde ärztliches Eingreifen notwendig machte. "Wer so etwas tut, geht ein gefährliches Risiko ein", befand Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier und sah sich dabei im Meinungseinklang mit der Strafkammer.

Deren Vorsitzender Gerd Dreßler riet dem Angeklagten, seinen Einspruch zu überdenken. Das tat der 42-Jährige gemeinsam mit seinem Anwalt Wilhelm Wartha. Der Verteidiger hatte seinem Mandanten vor dem Prozess dringend geraten, sich um eine Arbeitsstelle zu bemühen. Doch mehrere solcher Versuche waren erfolglos geblieben.

Damit konnten auch in dieser Richtung keinerlei Pluspunkte bei der Beurteilung des Falles durch die Strafkammer gesammelt werden. Was blieb, ließ wenig Spielraum beim Urteil offen. "Die Berufung wird zurückgenommen", erklärte Anwalt Wartha daraufhin für seinen Mandanten.

Mit Opfer ausgesöhnt

Die Konsequenz daraus: Der 42-Jährige muss erneut hinter Gitter. Diesmal für 18 Monate, die nach Lage der Dinge voll zu verbüßen sind. Der seinerzeit schwerverletzte Kontrahent hat sich unterdessen mit seinem Peiniger ausgesöhnt, er nahm dessen Entschuldigung an. "Das aber", erklärte Oberstaatsanwalt Strohmeier während der Verhandlung, "kann hier keine Rolle spielen."
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