Nach Klaus Ebenburgers Austritt: Freie Wähler weisen Kritik zurück
"Klingt wie eine Selbstanzeige"

"Es war alles sehr kurzfristig und überraschend." Patricia Pulkert
(kan/upl) Stadtrat Dr. Klaus Ebenburger (65) will und kann nicht mehr mit den Freien Wählern (FW) und ist jetzt ein Grüner (wir berichteten). Seine bisherigen Stellvertreter Patricia Pulkert und Horst Carstiuc wollen sich "in dieser Woche zusammensetzen", dabei das weitere Vorgehen besprechen und "intern gewisse Dinge" bereden. Das kündigte Pulkert am Dienstag auf Nachfrage unserer Zeitung an. Über die Ergebnisse werde man rechtzeitig informieren. Zu Ebenburgers Ausstieg sagte die frühere Stadträtin Pulkert: "Es war alles sehr kurzfristig und überraschend." Sie bat um Verständnis, dass man momentan noch nicht näher darauf eingehen wolle.

Geitner verwundert

Weiter aus dem Fenster lehnte sich da schon der Chef der Freien Wähler im Landkreis, Albert Geitner aus Haag. Ebenburger war ja auch mit seinen bisherigen FW-Kollegen im Kreis und auf Landesebene hart ins Gericht gegangen. In Ursensollen werde seit Jahren "die kurzsichtige Politik der hemmungslosen Ausweisung von Gewerbegebieten" betrieben, hatte der Amberger Stadtrat kritisiert. "Wenn man die Entwicklung unser Gemeinde Ursensollen sieht, seit diese von einem FW-Bürgermeister geführt wird, dann sollte diese Entwicklung objektiv betrachtet doch eher als Maßstab dienen, anstatt daran Kritik zu üben. Aber, wo was geschaffen wird, da gibt es auch Kritik, ob berechtigt oder nicht", erklärte Geitner. Auf den Vorwurf, der FW-Stadtverband sei während des Kommunalwahlkampfes untätig gewesen entgegnete Geitner, dass ja Ebenburger selbst dessen Vorsitzender war. "Somit bin ich durchaus verwundert, wenn er nun schreibt, dass das F bei den Amberger Freien Wählern für feige oder faul stehe. Das klingt für mich wie eine Selbstanzeige." Er wünsche Ebenburger in der Grünen-Fraktion "viel Spaß bei seiner Arbeit als Stadtrat und dem Team ein kollegiales Auskommen". Für die Freien Wähler in Amberg sehe er nun die Möglichkeit für einen Neubeginn, "mit weiteren an der Lokalpolitik interessierten Bürgern ein engagiertes FW-Team auf die Beine zu stellen, wie es diese auch in der Stadt Neumarkt oder eben in der kleinen Nachbargemeinde Ursensollen gibt".

Erschöpftes Potenzial

FW-Stadtrat Dr. Eberhard Meier nahm die kritisierten Vorstandsmitglieder in Schutz. Sie hätten viel Zeit investiert und viel für die Gruppierung getan. "Irgendwann ist das Potenzial für Freundschaft und Zusammenarbeit erschöpft. Das ist bedauerlich", erklärte Meier, der sich auf Anfrage per Mail aus seinem Fahrrad-Urlaub in La Rochelle (Frankreich) meldete.

Recht bedeckt hielt sich auch der Vorsitzende des Grünen-Kreisverbandes, Hans-Jürgen Bumes. Ebenburgers Mitgliedsantrag sei eingegangen, bestätigte Bumes am Dienstag. Nun werde sich der Kreisvorstand damit befassen, so wie es in der Satzung vorgesehen sei. "Grundsätzlich sehen wir kein Problem, Herrn Ebenburger in unseren Reihen aufzunehmen."
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