Nach Prozess gegen Kindsvater (34): Zurück genommene Revision - Nürnberg überstimmt Amberg
Generalstaatsanwalt akzeptiert Freispruch

Das kleine Mädchen war gerade einmal sechs Wochen alt. Dann starb es an schweren Verletzungen. Wer den Tod des Babys verursachte, bleibt für immer ungeklärt. Denn nach dem Freispruch für den Kindsvater hat die Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg eine zum Bundesgerichtshof eingelegte Revision zurückgenommen.

Der Prozess vor dem Amberger Schwurgericht fand im Spätherbst 2014 statt (wir berichteten). Auf der Anklagebank saß ein 34-Jähriger aus dem östlichen Landkreis Schwandorf. Der Leitende Oberstaatsanwalt Harald Riedl warf ihm Körperverletzung mit Todesfolge vor und machte den Familienvater für das Ableben dessen Tochter verantwortlich.

In der mehrtägigen Verhandlung drehte sich alles um die Frage: Woher stammten die bei einer Obduktion festgestellten schweren Verletzungen am Oberkörper und im Kopf des Säuglings? Es gab Einblutungen im Schädelbereich, außerdem Rippenbrüche. Der 34-Jährige ließ von Beginn an erkennen: "Ich habe dem Kind nichts getan." Das Mädchen war im Klinikum Weiden zur Welt gekommen, es blieb dort noch für einige Zeit und wurde im Mai 2013 in die Obhut seiner Eltern übergeben.

Rechtsmittel eingelegt

Am 18. Mai 2013 spitzten sich im Haus der Familie die Dinge dramatisch zu. Das Baby atmete plötzlich nicht mehr, es wurde per Hubschrauber ins Weidener Krankenhaus geflogen. Dort aber konnte nur noch der Tod festgestellt werden. Danach begannen Ermittlungen, die sich gegen den Vater des Kindes richteten. Doch der beteuerte: "Ich liebe jedes meiner Kinder und würde niemals einem von ihnen Gewalt antun." Während des Verfahrens wurden zahlreiche Zeugen vernommen, darunter auch medizinische Sachverständige. Dabei ergab sich zwar ein klares Bild zu den massiven Verletzungen. Doch ob sie der Angeklagte verursachte, konnte nach Auffassung der Richter nicht geklärt werden. Sie sprachen den 34-Jährigen frei. Der Leitende Oberstaatsanwalt Harald Riedl hatte sechs Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge gefordert. Unmittelbar nach dem Freispruch kündigte er Revision zum Bundesgerichtshof (BGH) an. Dieses Rechtsmittel wurde dann auch durch ihn eingelegt. Jetzt, über fünf Monate nach diesem juristischen Schritt, nahm die Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg diese Revision zurück. Die Entscheidung ist damit rechtskräftig.

Keine Aufregung in Amberg

Warum wurde die Generalstaatsanwaltschaft tätig und nicht der Leitende Oberstaatsanwalt in Amberg? "Nichts Außergewöhnliches", ließ der Sprecher der Amberger Staatsanwaltschaft, Dr. Thomas Strohmeier, auf Anfrage wissen und fügte hinzu: "Solche Entscheidungen werden in aller Regel nach vorheriger Absprache getroffen."
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