Netzwerk funktioniert auch in der Schule

Wie ernst es den Frauen und Männern, die in der Hirten- oder Klostergasse leben, mit der Integration ist, beweisen sie bei den Deutschkursen. Sie gibt es seit Oktober montags, mittwochs und freitags. Als ehrenamtlicher Lehrer ist unter anderem Michel Meindl, Sohn von Rektor Hans Meindl, tätig.

Der Junior unterrichtet normalerweise in einer Regensburger Mittelschule, nimmt sich aber zweimal pro Woche die Zeit, den Flüchtlingen eine neue Sprache zu vermitteln. "Drei plus fünf ist gleich acht", steht an der Tafel, einen Lehrplan gibt es deswegen aber nicht. Die Materialien hat sich Meindl von der Landkreis-Volkshochschule ausgeliehen, der Rest ist pädagogisches Grundwissen, Menschenkenntnis und eine soziale Ader, denn Geld bekommt der Hirschauer nicht: "Es wäre besser, wenn das bezahlt würde. Nicht wegen mir, aber wenn es etwas gäbe, würden vielleicht mehr Menschen bereit sein, vor allem Studenten. Es ist schwach, dass der Staat da nicht mehr macht."

Hirschaus Bürgermeister Hermann Falk sieht's nicht anders: "Der Staat müsste sich mehr um die Fortbildung kümmern. Ja, er kümmert sich um die Unterkünfte, aber dann ist es auch schon vorbei." Die Diakonie und die Caritas allein könnten die Betreuung nicht leisten. In Hirschau gibt es dennoch dank der privaten Initiativen ein Netzwerk, das funktioniert. Der Bürgermeister ist voll des Lobes: "Ich bin sehr froh, dass es dieses Gefüge gibt." Auch im Sinne der Stadt, die bei der Aufnahme von Asylbewerbern mittlerweile die Grenze erreicht hat: "Für uns ist das Soll erfüllt." Der Landkreis habe genügend Wohnungen, um zusätzliche Flüchtlinge unterbringen zu können.

Für einige der 18 Männer, die in der Gemeinschaftsunterkunft in der Klostergasse leben, haben die Hirschauer sogar eine Aufgabe gefunden, die dem Allgemeinwohl dient. Einige von ihnen arbeiten dienstags bis freitags von 8 bis 12 Uhr für die Stadtgärtnerei. "Sie sind sehr fleißig und sehr pünktlich", sagt Ursula Frohmann, die dem Fleißigen gerne den ganzen Montag freigibt, denn dann steht der Deutschkurs in der Schule auf dem Stundenplan. Einen Satz können sie dort bereits alle auswendig "Ich wohne in Hirschau."

Natürlich lernen auch die Kinder die neue Sprache. Doch das ist gar nicht so einfach, erzählt Rektor Hans Meindl. Im normalen Klassenverband sei es fast unmöglich, die drei Mädchen und Buben zu unterrichten. "Wir haben da Glück", sagt der Schulleiter, der mit Dieter Albrecht einen Förderlehrer an seiner Seite hat, der pro Woche vier Stunden mit den Flüchtlingskindern lernt.

Das Schulamt sehe offiziell aber lediglich zwei Stunden vor. "Das reicht hinten und vorne nicht aus. Es sollten mindestens fünf Stunden sein. Jeden Tag eine Stunde, das ist das Minimum", moniert der Lehrer und nimmt kein Blatt vor den Mund: "Es ist ein Armutszeugnis, dass wir nicht mehr Stunden haben." Zwar gebe es die Chance, die Flüchtlinge nach Amberg zu schicken. Dort existiert in der Barbaraschule eine separate Integrationsklasse, doch Victoria Rasoulkhani schränkt wie Rektor Meindl ein: "Man kann die Kinder, die kaum ein Wort Deutsch sprechen, nicht mit dem Bus nach Amberg schicken. Sie haben doch schon eine Odyssee hinter sich."

Die 39-Jährige formuliert eine Idee, die eine Bitte ist: Es wäre schön, wenn die Klassenkameraden die gleichaltrigen Flüchtlinge zu sich nach Hause einladen würden. Rasoulkhani versteht, dass es bei den Eltern Bedenken geben könnte, aber sie sagt auch deutlich: "Das sind Kinder. Vor denen muss man keine Angst haben." Hans Meindl kündigt an, die Idee unterstützen zu wollen: "Das werden wir mit anschieben." (tk)
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