Neubaupläne Neustift und Steinhofgasse sollen nicht historisieren, nur passend sein
"Keine Micky-Maus-Planung"

In einem Punkt waren sich alle Mitglieder des Bauausschusses am Mittwochnachmittag einig: Die von einem Brand schwer geschädigten Häuser am Beginn von Steinhofgasse und Neustift dürfen abgerissen werden. Doch die derzeit vorliegenden Entwürfe für insgesamt drei Neubauten gefielen nicht jedem. Das ging bei den Fassaden los und setzte sich über ein zu großes Garagentor in einem zweigliedrig geplanten Bau in der Neustift fort bis hin zur Höhe der Gebäude.

Angst vorm Präzedenzfall

Es war Stadtheimatpflegerin Beate Wolters, die den Reigen der Diskussion eröffnete und Vorgaben der Baugestaltungs- und Altstadtsatzung nicht genügend berücksichtigt sah. Dazu zählten ein mauerartig ausgebildeter Sockel mit nur winzigen Fenstern in der linken Hälfte des Doppelbaus Neustift und laut Wolters "riesige Fenster" im linken der zwei Bauwerke Steinhofgasse. Außerdem warnte die Stadtheimatpflegerin vor einer "Fehlentwicklung", in der Neustift ein weiteres Geschoss und damit höhere Gebäude zuzulassen, die nicht ins Umfeld passten.

In diesem Punkt gaben ihr mehrere Stadträte verschiedener Parteien recht, die gar einen "Präzedenzfall" befürchteten, was die Höhen betrifft. Würde man hier bei einem Ersatzbau eine Aufstockung genehmigen, könnten sich auch andere Bauherren darauf berufen und Gleiches fordern, so die Argumentation. Die Fortsetzung dieser Diskussion verlagerte das Gremium in den nichtöffentlichen Teil, weil es auch um den Namen des betroffenen Investors ging und wohl nicht noch weitere Begehrlichkeiten durch die öffentliche Debatte geweckt werden sollten.

Ein Vorschlag von Oberbürgermeister Michael Cerny lautete allerdings, sich mal weitere Höhen-Bezugspunkte im Umfeld anzuschauen, um leichter und fundierter zu einer Entscheidung zu kommen. Die könnte dann durchaus eine (gut begründete) Ausnahme sein und kein Präzedenzfall, wie SPD-Stadtrat Uli Hübner meinte, der damit diese Gefahr gebannt sah. Auch über die Fassadengestaltung soll die Verwaltung noch einmal mit dem Investor sprechen, befand das Gremium, nachdem mehrere Mitglieder zuvor abgeraten hatten, eine "historisierende" Bauweise zum Maßstab zu machen. Das passe genauso wenig zu einer sich entwickelnden Altstadt wie zu moderne Bauten.

Satzungstreu ohne Zinnen

Mit Disney-Bildern im Kopf warnte der OB vor einer "Micky-Maus-Planung", die quasi "ein Haus aus dem 17. Jahrhundert darstellen soll". "Zinnen und Erker wie bei einer Ritterburg" hatte aber auch Beate Wolters nicht gemeint, nur an gewisse Vorgaben der einst selbst auferlegten Altstadtsatzung erinnert. "Es muss halt passen", lautete schließlich die Kompromissformel, die nun dem Investor mit dem Wunsch nach Modifizierung seiner Pläne noch einmal mitgegeben werden soll.
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