Neue Messen ausgebremst

Die äußere Tür zur Spitalkirche war auch am Sonntag wie immer geöffnet. Aber die innere Gittertür blieb zu und der angekündigte Gottesdienst ließ auf sich warten. Darüber informierte ein Aushang im Schaukasten die Besucher, die neben dem genannten Grund weitere vermuteten und munter diskutierten. Bild: Steinbacher

"Leider können die angekündigten Gottesdienste und Rosenkränze auf Anordnung der Bürgerspitalstiftung nicht stattfinden." Aus dem Text des Aushangs spricht Bedauern und etwas Frust. Geärgert haben sich am Sonntag auch die Leute, die gerne die Eucharistie besucht hätten, aber vor verschlossener Tür standen.

Passiert ist das in der Spitalkirche. Sie hätte mit neuen sonntäglichen Messfeiern jeweils um 11.30 Uhr sowie Rosenkranzgebeten jeden Freitagnachmittag aus ihrem Dornröschenschlaf gerissen werden sollen. Das hatte zumindest Pfarrer Robert Kratzer aus Lintach zusammen mit den Franziskaner-Patres auf dem Mariahilfberg so geplant. Als Probephase bis Ende des Jahres wäre das laut Kratzer so vorgesehen gewesen, der dann - je nach Besucherresonanz in dieser Zeit - gerne entschieden hätte, ob die Angebote im nächsten Jahr beibehalten und regelmäßig eingeführt werden sollen.

Kratzers Idee durch KSJ

Kratzer kam nach eigener Schilderung durch seine Tätigkeit als Seelsorger für die Katholische Studierende Jugend (KSJ) auf diese Idee. Die jungen Leute nutzen nämlich die Spitalkirche immer wieder für ihre Gottesdienste - allerdings eher sporadisch und nicht permanent. Eigentlich schade, dass das kleine Gotteshaus inmitten der Altstadt nicht häufiger im Betrieb ist, fand der Pfarrer aus Lintach und entschloss sich mit Unterstützung der Patres - sie hätten sich die wöchentlichen Feiern im Wechsel teilen wollen - zu der Initiative. Aber er hatte offenbar die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Nach eigener Auskunft fragte Kratzer heuer im Sommer zwar bei Stadtpfarrer Franz Meiler, zu dessen Gemeindegebiet die Spitalkirche gehört, wegen dieser Idee nach und habe keinen Widerspruch erhalten. Aber er kontaktierte nicht die Bürgerspitalstiftung, die Eigentümerin des Gotteshauses ist. Als diese von Kratzers Idee samt Ankündigung in der Amberger Zeitung las, hing der Haussegen offenbar schief. Stiftungsreferent Gerhard Bauer sagte auf Anfrage der AZ, der Lintacher Pfarrer habe hier "voreilig" gehandelt. Er habe "Überlegungen angestellt, die mit der Bürgerspitalstiftung nicht abgestimmt waren". Daraufhin setzte sich Bauer nach eigener Auskunft mit Stadtpfarrer Franz Meiler in Verbindung, nachdem die Spitalkirche in dessen Gemeindegebiet und Zuständigkeit liegt. Beide hätten sich "geeinigt, die Nutzung so aufrechtzuerhalten, wie sie bisher war". Heißt im Klartext: Die KSJ dürfe weiter ihre Gottesdienst und Feiern abhalten. Darüber hinaus solle es aber keine regelmäßigen Angebote in der Spitalkirche geben.

Spitalkirche "keine Pfarrei"

Das hat laut Bauer unter anderem den Grund, dass hier "keine Pfarrei und keine Seelsorge" angesiedelt sind. Außerdem stecke hinter jedem Gottesdienst ein gewisser Aufwand mit dem Herrichten der Kirche, der zusätzlich, zum Beispiel von Mesnern oder anderen Verantwortlichen St. Martins, nicht zu leisten sei. Ein Weiteres verhehlte Bauer nicht: Man müsse "erst mal sehen", wie es mit dem direkt daneben liegenden Bürgerspitalgelände weitergeht. Dafür hat die Stadt einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben, dessen Resultate in der Stadtratssitzung am Montag erstmals intern beraten werden.

Nichts mit Patres zu tun

Damit wollte der Stiftungsreferent nicht sagen, dass der Kirche irgendeine Gefahr drohe. Im Gegenteil bleibe sie schon aus Denkmalschutzgründen erhalten. Ein Weiteres schloss er aus: Dass die getroffene Entscheidung mit "dritten Personen" zu tun habe. Sie sei allein zwischen ihm und Franz Meiler gefallen, unabhängig von Kratzer oder den Franziskanern am Berg, die ihn unterstützen wollten.
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