Neues Buch über Nationalsozialismus in der Oberpfalz
Es war alles ganz nah

Druckfrisch sind die Exemplare von "Facetten des Nationalsozialismus in der Oberpfalz", die MRG-Direktor Wolfgang Wolters, Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger, Hauptreferent Gerd Geismann, Diplom-Archivar Jörg Fischer und OB Michael Cerny (von links) hier präsentieren. Bild: Steinbacher
In Berlin steuerten am Sonntagabend die Feiern zum Mauerfall ihrem Höhepunkt entgegen, als es im Festsaal des Max-Reger-Gymnasiums mucksmäuschenstill wurde. Hier blitzte die Erinnerung an einen anderen 9. November auf, den im Jahr 1938, als die Nationalsozialisten in einer "Reichspogromnacht" eine Treibjagd auf deutsche Juden veranstalteten. Die 75. Wiederkehr dieses Tages war 2013 Anlass für ein Symposium "Facetten des Nationalsozialismus in der Oberpfalz", mit dem das Stadtarchiv im MRG zu Gast war. Für die Vorstellung des gleichnamigen Buches, das die sechs Vorträge der Tagung veröffentlicht, kehrte man dorthin zurück.

Für OB Michael Cerny ist der Antisemitismus, der sich am 9. November 1938 zu ungeahnter Grausamkeit aufschwang, "eines der dunkelsten Kapitel unseres Landes". Er dankte allen Referenten, die anschließend als Autoren "mehr Licht in dieses dunkle Kapitel der Oberpfalz brachten". Diplom-Archivar Jörg Fischer, der die Drucklegung der "ersten Layout-Eigenproduktion des Stadtarchivs" betreut hatte, bescheinigte ihnen allen ein hohes Maß an Feingefühl bei der Auswertung der Quellen. Sie schafften es, Geschichte auf eine manchmal fast beklemmende Art und Weise gegenwärtig zu machen.

Der Sulzbach-Rosenberger Altbürgermeister Gerd Geismann stellte das Buch näher vor. Es liefere eine "Regionalgeschichte, die bisher nicht im Geschichtsbuch steht, jedenfalls nicht so deutlich". Wer immer noch glaube, dass der Holocaust sich weit weg von der Oberpfalz abgespielt habe und Antisemitismus nur in Großstädten vorgekommen sei, dem zeige die Aufsatzsammlung: "Es war alles ganz nah." Unvorstellbare Niederträchtigkeiten und schlimmste Demütigungen würden hier ausführlich dokumentiert. Sie belegten, dass der Terror nicht von außen gekommen, sondern den Juden von den eigenen Nachbarn in Amberg, Weiden, Schwandorf oder Sulzbach-Rosenberg zugefügt worden sei.

Die Beiträge dokumentierten, wie man die NSDAP in der Oberpfalz zunächst nicht richtig ernst genommen habe. Später hätten dann alle erfahren müssen, wie gnadenlos die Nationalsozialisten ihren Antisemitismus umsetzten. Er hoffe, so Geismann, dieses Buch trage dazu bei, "die Welt zu verändern, damit das nie wieder geschehen kann, nie wieder, nie wieder". (Angemerkt)
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