Neues Gesicht für Ex-Bordell

Das Leben im weithin bekannten Haus Sulzbacher Straße 21 wird sich ändern: Das unten abgeschnittene Banner machte neugierig, das neue lässt bereits zweideutig tief blicken - und trotzdem eindeutig erkennen, was hier bald entstehen wird. Bilder: Huber

Die Prostituierten sind längst weg - außen eine triste Front, drinnen rote Betten, rote Wände, im Hinterhof kommt das Dach des Nebengebäudes herunter. Kein schönes Bild an der Sulzbacher Straße Nummer 21. Das wird sich in absehbarer Zeit ändern. Ein Bauträger hat Gebäude und Gelände gekauft.

Aufmerksam geworden war die Amberger Firma Kreativ Wohnbau auf das Haus durch die AZ-Berichterstattung über das dortige Treiben im Rotlichtmilieu und die damit verbundenen juristischen Gefechte zwischen dem damaligen Eigner und dem städtischen Ordnungsamt. Der Rechtsanwalt aus Heidelberg wollte das Leben im Bordell weiter sprießen lassen, die Kommune nahm die Rolle der Spaßbremse ein. Irgendwann vor über einem Jahr war dann Stillstand bei Nummer 21.

Aus der AZ

In jüngerer Vergangenheit barsten dann Scheiben im Erdgeschoss, im rückwärtigen Bereich ging der Dachstuhl in die Knie. Unterdessen aber gab es bereits erste Verhandlungen zwischen Kreativ Wohnbau und dem Juristen aus dem Rheinland. Im vergangenen Oktober folgte der Besitzerwechsel. Die beiden Geschäftsführer des Bauträgers, Erwin Götz und Andrea Halk-Weiß, und auch Marketingleiter Dietmar Weiß erläuterten gegenüber der AZ vor Ort, was sie an der Sulzbacher Straße im Detail vorhaben.

"Ich war gestern"

Zunächst verschwindet das an der Fassade hängende Banner, das eine Leichtbekleidete und die Aufschrift zeigt "Ich war gestern". Wie berichtet, hatten sich zwei Frauen aus der Region an der Abbildung gestört und das Fahnentuch mit einer Astsäge bearbeitet: "Die haben den am Banner angerichteten Schaden inzwischen schon beglichen", informierte Dietmar Weiß beim Ortstermin. An der Stelle des bisherigen Transparents wird bald ein neues hängen, das mit Blick auf einen Dirndl-Ausschnitt andeutet, was sich dort demnächst tun wird: "Wir bauen mit Balkon". Was damit gemeint ist, fassten Halk-Weiß und Götz in Worte: "Jede Wohnung im Altbau und im neuen Komplex erhält einen eigenen, nach Südwesten ausgerichteten Balkon."

Die Planungen für die Sanierung des direkt an der Sulzbacher Straße gelegenen Gebäudes werden den Winter über ebenso laufen, wie für das neu entstehende Haus und eine Tiefgarage im Garten dahinter. Erster Schritt aber wird noch im Dezember der Abriss des zusammenfallenden Nebengebäudes sein. Das finanzielle Volumen des gesamten altstadtnahen Vorhabens schätzen die Investoren auf zwei bis zweieinhalb Millionen Euro.

Erste Kaufinteressenten

Beabsichtigt ist, im Altbau vom Erdgeschoss bis zur vierten Etage rund zehn Wohneinheiten zu schaffen, darunter eine oder zwei Penthousewohnungen unter dem Dach. Im Neubau sind derzeit sechs Wohnungen angedacht. Entstehen werden zudem ein neues Treppenhaus und eine Liftanlage, die beide Komplexe direkt miteinander verbinden sollen. Baubeginn wird im Frühjahr 2016 sein. Erste Kaufinteressenten haben sich bereits gemeldet. (Angemerkt, Zum Thema)
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