Neues Leben auf Feldbetten

Die Organisatoren haben an alles gedacht. Dieser Vorrat an Toilettenpapier dürfte einige Zeit halten.

Die Schüler gingen nach Hause, doch an Ferien war am Wochenende in den Turnhallen der Barbara- und Willmannschule nicht zu denken. Fünf Mitarbeiter des Bauhofs waren damit beschäftigt, Platz zu machen und ein Notquartier für die Flüchtlinge einzurichten, die vielleicht schon heute in Amberg eintreffen.

Amberg. (tk) In der Stadtratssitzung hatte Oberbürgermeister Michael Cerny heute vor einer Woche von einem Telefonat mit dem Oberpfälzer Regierungspräsidenten Axel Bartelt berichtet. Dieser habe mitgeteilt, dass schon bald ein ganzer Schwung Flüchtlinge nach Amberg kommen könnte. Danach ging alles sehr schnell. Am Freitagnachmittag informierte Thomas Forster, der Leiter des städtischen Sachgebiets Zivil- und Katastrophenschutz, dass die Turnhallen von Barbara- und Willmannschule komplett geräumt sind.

Maximal 200 Schlafplätze

Die Geräte seien in der Schule geblieben und in Gymnastikräumen verstaut worden. Noch am Wochenende wurden 100 Feldbetten aufgebaut und mit Schlafsäcken sowie Kissen versehen, um einen ersten Ansturm bewältigen zu können. Die Regierung habe gefordert, bis zu 200 Plätze anzubieten. Eine kurzfristige Aufstockung ist laut Forster jederzeit möglich, aber: "Damit wäre die Kapazitätsgrenze der Halle erreicht." Die Vorbereitungen sind getroffen. Ohne Ausnahme, die städtischen Mitarbeiter haben unter Forsters Regie nichts dem Zufall überlassen.

Die Geräteräume wurden zu Speisezimmern umgebaut, die Klinikumsküche weiß Bescheid, dass sie Frühstück, warmes Mittagessen und Lunchpakete für den Abend zubereiten und liefern muss. Dabei werde auf die Religion - Moslems essen kein Schweinefleisch - ebenso geachtet, wie bei der Hygiene: Zu Hunderten türmen sich Zahnpasta, Wasserbecher, Kämme, Duschgels, weitere Körperpflegeprodukte, Toilettenpapierrollen, Einmal-Rasierer und Damenbinden in dem Gebäude - allesamt laut Thomas Forster religionsneutral, also ohne tierische Produkte. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, denn aus welchen Ländern die zu erwartenden Neuankömmlinge stammen, ließ sich am Freitagnachmittag nicht klären: "Zu den Nationalitäten können wir nichts sagen. Auch nicht darüber, wie viele Familien und Kinder es sein werden."

"Wir sind startklar"

Doch die wichtigste Nachricht war für Thomas Forster eine völlig andere: "Es hat geheißen, wir sollen am Montag startklar sein. Das sind wir."
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