Neues Leben einer Pestkirche

Auf einem quadratischen Grundriss steht der mächtige Quaderturm des Gotteshauses, das eine bewegende Baugeschichte hinter sich hat. Sie reicht bis in das 15. Jahrhundert zurück. Das heutige Erscheinungsbild ist durch einen Wiederaufbau im 18. Jahrhundert geprägt.

Auf einer sanften Anhöhe im Südwesten der Stadt gelegen, wird St. Sebastian zu einem kleinformatigen Pendant der Mariahilfberg-Kirche. Jetzt steht ein Jubiläum an.

Die Filialkirche der Pfarrei St. Georg ist heuer 300 Jahre alt geworden. Am Sonntag, 18. Oktober, wird dieses Jubiläum mit einem Pontifikalgottesdienst, der um 10 Uhr in St. Sebastian beginnt, gefeiert. Die Festmesse zelebriert Weihbischof Reinhard Pappenberger. Ein Orgelkonzert rundet um 16 Uhr die kirchliche Feier ab.

Eine steinerne Widmungstafel über dem südlichen Kirchenportal gibt an, dass an der gleichen Stelle als Vorgänger des jetzigen Baus bereits ein Gotteshaus zu Ehren des hl. Sebastian stand. Im Zuge der Reformation wurde es auf Befehl des Pfalzgrafen Friedrich abgebrochen. Eine Chronik lässt zudem darauf schließen, dass sich an dieser Stelle ein alter Pestfriedhof samt Kirche aus dem Jahr 1473 befunden haben.

Werk eines Schusters

1556 hatte Kurfürst Ottheinrich dann die Demolierung aller Kapellen befohlen, woraufhin 1557 die drei Altäre und das Dach der Sebastianskirche abgebrochen wurden, und die Wände bis 1566 als Steinlieferant für die neue Mauer des Katharinenfriedhofs dienten. Durch die ungewöhnliche Tatkraft des Amberger Schusters Haider, dessen Sohn Hans-Georg in Rom studierte und dort über die Freundschaft eines Kurienkardinals zwei Ablässe für den Wiederaufbau der zerstörten Kirche erwirkt hatte, wurde die Sebastianskirche 1710 auf deren ursprünglichem Fundamentmauern wieder aufgebaut.

Die Chronik berichtet, dass Vater Haider mit seiner Initiative bei allen Stellen auf Widerstand gestoßen sei. Er habe sich jedoch nicht beirren lassen und sei mit seiner Ablasszusage durch die Lande gezogen, um das nötige Geld aufzutreiben. Nachdem schließlich 76 Fuder Steine angefahren waren, übernahm Samuel Balthasar Hetzendorfer als Ratsmitglied die Bauangelegenheit von St. Sebastian. Auf einem gotischen Fundament ist so ein barocker Kirchenneubau entstanden mit einem mächtigen Quaderturm quadratischen Zuschnitts.

Spät konsekriert

Im Inneren hat 1715 Bernhard Eham aus Landshut den Stuckmarmor-Hochaltar in roten festlichen Farben ausgeführt. Er zeigt in seinem Mittelfeld die Abnahme des toten Sebastian vom Baumstrunk durch Irene. Diese Szene ist kompositorisch ähnlich einer Kreuzabnahme aufgebaut. Das Hochaltarblatt wurde von Anton Richter gemalt, und 1715 galt der heutige Bau als fertiggesellt. Erst 14 Jahre später, am 1. September 1729, wurde die Kirche vom Regensburger Weihbischof Gottfried Langwerth von Simmern konsekriert. Inzwischen hatte 1722 Schreinermeister Eder die Seitenaltäre an den Chorbogen und das Gestühl erstellt. 1753 wurde im mittleren Joch der nördlichen Langhauswand eine halbrund schließende Seitenkapelle als sogenannte "Wieskapelle" angebaut. Im Apsisrund ist darin Christus am Kreuz samt den beiden Assistenzfiguren Maria und Johannes in bewegten Barockschnitzwerken dargestellt. Auf der Altarmensa steht in einem neu erworbenen Rokokoschrein eine ebenfalls bei der letzten Renovierung angekaufte Rokokofigur des Heilands an der Geißelsäule, der "Wiesheiland". Das Patrozinium des Hl. Sebastian feiert die Kirche am 20. Januar. In Amberg wird daraus die Sebastianiwoche.
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