Nicht das Mädchen für alles

Den imposanten Zug vom ACC über den Schlossgraben und durch die Fußgängerzone zum Marktplatz führten Stadtbrandrat Bernhard Strobl (rechts) und Stadtbrandinspektor Philipp Seegerer (links) an. Gleich dahinter marschierte die Musikkapelle Ursensollen, dann kamen die Ehrengäste und knapp 400 Feuerwehrleute, die aus ganz Bayern zur Landesverbandstagung nach Amberg gekommen waren. Bild: Huber

In München hieß es "Ozapft is", allerdings ohne den Innenminister. Denn der weilte in Amberg. Der Feuerwehrlandesverband hatte ihn zu seiner Versammlung eingeladen. Und so saß Joachim Herrmann im ACC auf dem Podium statt auf der Bierbank beim gesellschaftlichen Pflichttermin in der Landeshauptstadt.

Da die Amberger Feuerwehr heuer ihr 150-jähriges Bestehen feiert, fand die Versammlung des Landesfeuerwehrverbands in der Oberpfalz statt. Zu der zweitägigen Tagung kam am Samstagvormittag Innenminister Joachim Herrmann. Ihm, aber auch allen anderen 400 Teilnehmern erläuterte Landesverbandsvorsitzender Alfons Weinzierl, welche Probleme die Feuerwehren haben. Zum Beispiel beim Katastrophenschutz. Weinzierl nannte die veraltete Ölwehrausstattung und Katastrophenschutzfahrzeuge, von denen 50 Prozent älter als 24 Jahre seien. "Wer fährt schon einen 24 Jahre alten Dienstwagen?", fragte er. Es könne nicht sein, dass ehrenamtliche Helfer dem, was gebraucht werde, als Bittsteller hinterherlaufen müssten.

Fast 800 Einsätze täglich

Weinzierl ging auch auf die häufig gestellte Frage ein, ob man sich eine freiwillige Feuerwehr noch leisten könne. Wie aber wäre es ohne sie? Das würde in Bayern vier Milliarden Euro im Jahr kosten, führte der Vorsitzende aus und stellte die Frage: "Können und wollen wir uns das leisten?" Bayernweit leisten die Aktiven täglich fast 800 Einsätze, über 21 000 Menschen würden gerettet. "Das sind 21 000 Menschen, die ohne den Einsatz unserer Feuerwehren vielleicht nicht mehr leben würden."

Weinzierl sprach davon, dass man den Mut haben müsse, sich wieder auf die Kernaufgaben zu konzentrieren und nicht auf das, wofür man nicht zuständig sei oder teilweise missbraucht werde. "Es ist nicht unbedingt unsere Aufgabe, einen Keller, in dem das Wasser zwei Zentimeter hoch steht, auszupumpen, während der Besitzer fernschaut." Die Feuerwehr sei nicht Mädchen für alles, "wir dürfen ein gewisses Maß an Selbsthilfe erwarten".

"Großartige Hilfe"

Minister Joachim Herrmann sprach auch das Thema Flüchtlinge an. "Die Feuerwehren und Rettungsorganisationen leisten eine großartige Hilfe", sagte er. Bayern trage hinsichtlich der Erstankunft von Flüchtlingen die Hauptlast. "50 Prozent kommen über südbayerische Grenzen." Er bezeichnete es als eine "humanitäre Herausforderung, Menschen, die vor uns stehen, Essen und Trinken, ein Bett und ein Dach über den Kopf zu geben". Neben Feuerwehren und Rettungsorganisationen helfen auch viele Ehrenamtliche. ",Man spürt aber auch, dass manche an der Grenze ihrer Belastbarkeit angelangt sind."

Der CSU-Politiker kritisierte, dass Bayern im Moment 30 000 Flüchtlinge mehr habe als durch die Quote festgelegt. "Weil Landesregierungen, die nach außen den Mund voll nehmen, intern nicht in der Lage sind, ihre Quote zu erfüllen", sagte er und machte eines klar: "Es können nicht andere die Willkommenskultur ausrufen und Bayern hat das zu organisieren."

Stresstest für Digitalfunk

Zum Digitalfunk sagte der Minister, dass man auf einem guten Weg sei. "Der G7-Gipfel war der größte Belastungstest, den man sich überhaupt vorstellen kann." Für Herrmann ist der Digitalfunk ein gigantischer Fortschritt, die Kommunikation der Feuerwehren werde sich massiv verbessern. Mit Vorsitzendem Weinzierl verlieh Herrmann Ehren- und Steckkreuze an verdiente Feuerwehrleute aus ganz Bayern. Nach der Tagung stellten sich die 400 Teilnehmer zu einem riesigen Zug auf und marschierten - angeführt von Stadtbrandrat Bernhard Strobl, Stadtbrandinspektor Philipp Seegerer, der Musikkapelle Ursensollen und den Ehrengästen - zum Marktplatz. THW und Polizei sperrten dafür kurzzeitig den Altstadtring zwischen Kurfürstenbad und Schlossgraben.
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