Nicht einfach nur ein Kreuz

Ein Bild aus der Vergangenheit: Das rote Kreuz an der Krumbacher Straße ist seit Mitte vergangenen Jahres verschwunden. Nachdem Teile der Aussichtskanzel eingestürzt waren, wurde es abgebaut. Eine gemauerte Anlage wie früher wird es hier künftig nicht mehr geben, das Kreuz aber soll nach Abschluss des benachbarten Turnhallenneubaus wieder an seinen alten Platz zurückkehren. Archivbild: Hartl

Momentan ist es nur ein Erdhaufen - und der sieht gar nicht aus wie ein Amberger Schatz. Die Aussichtskanzel an der Krumbacher Straße und das rote Kreuz, das sie krönte, sind verschwunden. Dabei hat es hier schon sehr lange solche Wegmale gegeben.

"Beim Buddeln in der Geschichte wird klar, dass die Markierung dieses Punktes mit einem Kreuz keine Erfindung der Neuzeit ist, wie das Mauerwerk der Kanzel vermuten ließ", betont Stadtheimatpflegerin Beate Wolters. Solche Aussichtspunkte seien in den 30er Jahren gerne gebaut worden. "Noch bestehende Beispiele finden wir in der Nähe des Englischen Gartens an der Vils und an der Mühlgasse."

"Kreuz gen Krumpach"

Die Stelle an der Krumbacher Straße, im heutigen Dreifaltigkeitsviertel, taucht laut Wolters schon in schriftlichen Zeugnissen aus viel älterer Zeit auf. So werde 1384 "pei dem Kreuz gen Krumpach" erwähnt. Später zeichne ein alter Plan ein "Plechenkreuz" ein und es soll auch ein "Viertelsgalgen" hier gestanden haben. "Dass Galgen und Kreuz in völlig unbebauter Landschaft standen, müssen wir uns heute mit viel Fantasie vorstellen", merkt die Heimatpflegerin an: "Noch in den 40er Jahren war die Krumbacher Straße ein größerer Feldweg. Häuser suchte man dort vergeblich. Die Aussichtskanzel lag auf der freien Wiese und diente tatsächlich der Aussicht."

Auf alten Pfaden

Wer sich mit sogenannten Altstraßen, also dem früheren Wegenetz und den Handelsrouten beschäftigt, höre bei der Erwähnung eines roten Kreuzes und eines Viertelsgalgens genau zu, erläutert Wolters - dies sei nämlich eine Bestätigung für die Existenz eines solchen Pfads. "So, wie wir heute stolz ,Hochschulstadt' und ,Kreisfreie Stadt' auf unsere Schilder am Ortseingang schreiben, stellte man früher einen Galgen auf." Damit sei klar gewesen, dass die Stadt gewisse Rechte hatte.

Von Mathias Conrad, Kreisheimatpfleger für Bau- und Bodendenkmalpflege, weiß Wolters, dass an Viertelgalgen "ein Viertel vom Straftäter" aufgehängt wurde. Conrad, ein großer Altstraßen-Experte, habe auch bestätigt, dass am roten Kreuz vorbei die Straße über Krumbach, Paulsdorf und Etsdorf nach Nabburg führte. "Mit diesem Wissen lässt sich in dem tiefen Einschnitt der heutigen Krumbacher Straße nach dem Kreuz der frühere Hohlweg erkennen: Wegen der Steigung am Berg hatte sich die Fahrspur tief eingegraben."

Sie findet es spannend, zu sehen, wie sich Straßen verlagert haben, kleine Feldwege zu den heute großen Ausfallstraßen wurden und frühere Hauptstraßen der Landschaft wieder zurückgegeben wurden. Wolters empfiehlt dazu den landeskundlichen Rundweg Am Ammerbach, zu dem es einen Flyer und einen Audioguide gibt: Hier könnten Spaziergänger solch eine Altstraße noch immer gut erkennen.

Der Hohlweg am Berg

"Sie verband den Raum Ingolstadt mit Böhmen. Als nicht sehr ausgeprägter Hohlweg schneidet sie in den Wald bei Rammertshof ein und führt in einer gut sichtbaren Furt über den Ammerbach." Richtig dramatisch stelle sich ein alter Hohlweg am Berg dar. "Hinter der Bergkirche, Richtung Schwammerl, ist ein tiefer Einschnitt im Waldboden zu erkennen: In einem Bogen zur Stadt hinunter war dies ein nicht ungefährlicher Weg für die Fuhrwerke in früherer Zeit. Sie transportierten die Steine aus dem Steinbruch hinunter zu den Baustellen in der Stadt."

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Der Adventskalender im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/azadventskalender2014
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