"Nicht meine Entscheidungen"

Ich habe mich über die Aussagen schon etwas gewundert, weil ich mit der PWG, vielleicht nicht mit der Person Raab, immer gut ausgekommen bin.

In seinen 24 Jahren als Oberbürgermeister hat Wolfgang Dandorfer viel erlebt und musste bisweilen auch heftige Kritik einstecken. Dass er aber auch als Ruheständler ins Schussfeld der Einzelhändler gerät, hatte er so nicht erwartet.

Amberg. (tk) Es waren deutliche Worte, derer sich Vorsitzender Andreas Raab bei der Hauptversammlung der Park- und Werbegemeinschaft (PWG) bediente: "Mit der neuen Mannschaft im Rathaus und mit OB Michael Cerny macht's wieder Spaß. So viel Spaß wie noch nie. Das muss ich ganz offen und ehrlich sagen." Cernys Vorgänger Wolfgang Dandorfer las diese Passagen und wollte sich zunächst nicht dazu äußern, nahm das Angebot, Stellung zu beziehen, am Mittwoch dennoch an: "Ich habe mich über die Aussagen schon etwas gewundert, weil ich mit der PWG, vielleicht nicht mit der Person Raab, immer gut ausgekommen bin."

Kein dritter Altstadtfest-Tag, nur zwei verkaufsoffene Sonntage und keine öffentliche Tiefgarage in der Bahnhofstraße - in der Vergangenheit hatten Raab und die PWG im Stadtrat wiederholt Niederlagen hinnehmen müssen. Jetzt kämen die alten Forderungen wieder auf die Agenda, denn: "Das Rathaus ist mittlerweile sehr offen für Anregungen und Ideen. Da hat sich sehr viel getan", sagte Raab vor einer Woche.

Wille des Stadtrats

Wolfgang Dandorfer fühlt sich tatsächlich indirekt angegriffen, relativiert aber: "Das waren ja alles keine Entscheidungen von mir. Das waren Entscheidungen des Stadtrats." Beispiel zusätzlicher verkaufsoffener Sonntag: "Ich kann mich noch gut erinnern, dass Martin Preuß, der jetzt Bürgermeister ist, die Meinung der Kirchen geteilt hat." Diese hatten sich gegen einen weiteren Shopping-Sonntag ebenso ausgesprochen wie die Gewerkschaften: "Und ein Florian Fuchs von der SPD hat mit den Gewerkschaften argumentiert."

Dass es in Amberg bei zwei Tagen geblieben ist, sei also nicht sein Verschulden, wenngleich der Alt-OB aus seiner ganz persönlichen Meinung kein Geheimnis macht: "Wir brauchen keinen dritten Einkaufssonntag. Ob der den totalen Aufschwung für den Einzelhandel bringen würde, wage ich zu bezweifeln." Natürlich, sagt Dandorfer aus der Distanz, kann man das wieder diskutieren.

"Weder dafür noch dagegen" ist der 65-Jährige, wenn es um einen dritten Altstadtfesttag geht. Es gebe aber viele Gründe, die dagegen sprächen: Einzelhandel und Marktleute "hätten wir am Freitag komplett zugestellt", was die Betreffenden wohl "narrisch" machen würde. Zudem hätten die beteiligten Vereine große Probleme damit, ihre ehrenamtlichen Helfer für drei Tage am Stück zu gewinnen. Und noch etwas komme hinzu: "Was wir alle längst vergessen haben - es gibt da noch den einen Anwohner." Dieser hatte in der Vergangenheit ein früheres Musik-Ende (Samstag um 23 Uhr und Sonntag um 22 Uhr) durchgesetzt. Der Alt-OB sagt ganz deutlich: "Das hat uns bisher immer abgehalten, auf drei Tage zu gehen. Bevor wir uns eine Klage einholen, sind wir lieber bei der alten Regelung geblieben." Die besage, in Ausnahmefällen das Fest bereits am Freitagabend beginnen zu lassen.

Gutachten spricht dagegen

Was die wiederholt hauptsächlich vom Einzelhandel vorgetragene Forderung nach weiteren Parkplätzen in der Bahnhofstraße betrifft, hat Wolfgang Dandorfer eine klare Sicht der Dinge: "Das Verkehrsgutachten lässt keine öffentliche Tiefgarage zu." Von der angesichts der jüngsten Forum-Entwicklung neu aufkommenden Diskussion hält der Alt-OB: "Nichts!"

Die Aussagen des PWG-Vorsitzenden hat Dandorfer zur Kenntnis genommen. Verärgert sei er nicht, auch nicht enttäuscht. Aber überrascht. Wenngleich er einschränkt: "Vielleicht hat sich der Stadtrat so verändert. Kann schon sein." (Angemerkt)
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