Noch genügend Dächer frei

Die Klimamanager des Landkreises Amberg-Sulzbach, Katharina List (links), und der Stadt Sulzbach-Rosenberg, Vincent Clarke (Mitte), und Grammer-Solar- Geschäftsführer Siegfried Schröpf stellen ihre Solar- Initiative vor. Zusatzservice der öffentlich-rechtlichen Umweltschützer: "Wir gehen mit dem Interessenten das Angebot der Firmen durch." Bild: Herda

Es war ein Anlauf mit Hindernissen: Die Klimaschützer des Landkreises Amberg-Sulzbach wollten den stotternden Solarmotor zum Laufen bringen. Wie so oft seit der EEG-Reform flogen erst einmal Knüppel.

Katharina List, Klimaschutzmanagerin im Landratsamt, ist froh, dass das juristische Scharmützel ausgestanden ist. Eine Solarfirma aus dem Kreis Schwandorf wollte die Initiative stoppen, setzte alle Hebel in Bewegung (wir berichteten). "Dabei hätte der Unternehmer jederzeit mitmachen können", wundert sich List noch heute über ein Gespräch bei ihr im Büro. "Ich hatte den Eindruck, darum ging es ihm nicht, er wollte die ganze Aktion kippen."

"Vorträge reichen nicht"

Dabei müsste sich eigentlich jeder Anhänger regenerativer Energien über die Solar-Initiative freuen: "Wenn wir unsere selbstgesteckten Klima- und CO2-Vermeidungsziele erreichen wollen, reicht es nicht, Vorträge zu halten", erklärt Vincent Clarke, Klima-Manager der Stadt Sulzbach-Rosenberg.

"Wir wollten den Interessenten ein Rundumsorglos-Paket anbieten mit hohen Qualitätsstandards, Komponenten aus deutschsprachigen Ländern, einer passenden Versicherung, der Anlagenüberwachung über eine App, einem soliden Aufbau auf Blechdachziegeln, inklusive Wartung nach einem Jahr - und als Zuckerl einen Zuschuss von 300 Euro für einen Speicher."

Der Einspruch verzögerte den neuen Anlauf zur Dezentralisierung des Strommarktes, den Landrat Richard Reisinger mit einem Appell unterstützt: "Machen Sie sich frei von Strompreisen und Stromriesen. Machen Sie den ersten Schritt, damit künftig Ihr Strom vom eigenen Dach kommt und leisten Sie so einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiewende." Statt symbolträchtig in der "Woche der Sonne" im Juni startete das Unternehmen jetzt im Oktober - nun auch offiziell abgesegnet vom bayerischen Wirtschaftsministerium. Wichtigste Veränderung: Der regionale Energiewende-Verbund darf keinen plakativen Preis mehr angeben.

An der Initiative beteiligen sich die vier größten Unternehmen der Branche im Landkreis: sol aid, Loma-Solar, Hardy Barth und Grammer Solar. "Bei uns fiel mit dem Startschuss eine Staumauer", beschreibt Siegfried Schröpf, Geschäftsführer von Grammer Solar die Wirkung. "Es gab zuvor schon viele Interessenten, aber die Leute sind seit den endlosen EEG-Debatten verunsichert."

Vertrauen durch Kontrolle

Eine gemeinsame Initiative wie diese, kontrolliert durch Vertreter des öffentlichen Interesses, sorge für Vertrauen. Der Solarförderverein Amberg, der Kreisverband des Bundes für Umweltschutz, Aove, Pro Sulzbach-Rosenberg, die VHS und das Zentrum für Erneuerbare Energien (ZEN) unterstützen den Impuls. "Es ist nicht mehr das Klientel wie vor Jahren", beschreibt Clarke das neue Zielpublikum. "Für Investoren, die damals einstiegen, sind die 3 bis 4 Prozent Rendite uninteressant." Aber für Privatleute sei Photovoltaik immer noch die einfachste Methode, Geld zu sparen und einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. "Und anders als die Propaganda der Konzerne suggeriert, ist es ein Beitrag für die regionale Wertschöpfung", sieht der Sulzbacher Klimaschützer Vorteile für die Allgemeinheit: "Das Geld bleibt in der Region." Dass die erneuerbaren Energien, den Strom teuerer machen würden, gehöre zu den beliebtesten Lügen der Lobby: "Noch nie war Strom so günstig wie heute", sagt Clarke, "die Konzerne sollte den Preis endlich an die Kunden weitergeben."

Bis zur nächsten Woche der Sonne im Juni möchte das Solar-Bündnis ein Megawatt installieren - das entspricht etwa 200 Kleinanlagen. "Jetzt liegen wir bei 200 kW", sagt Katharina List, "es sind aber noch genügend Dächer frei."

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.pv-eigenverbrauchsinitiative.de
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