"Noch mehr zusammengeschweißt"

Henning Scherfs großes Thema ist seine Wohngemeinschaft, in der er schon als Bürgermeister lebte, wohl nicht immer zur großen Begeisterung seiner politischen Weggefährten. In Deutschland gebe es 40 Millionen Wohnungen und Häuser, von denen gerade einmal 800 000 altersgerecht gestaltet seien. Für junge Familien sei gebaut worden, mit Treppen rauf und runter.

Was nütze ihm heute eine Badewanne, "aus der er nicht mehr herauskomme". Überall steige der Bedarf an altersgerechtem Wohnraum, aber dieses Thema gelte als Tabu. Als seine WG begründet wurde, hätten er und seine Mitstreiter ein altes Haus in Bremen erworben und umgebaut, heute wohnten dort ständig um die zehn Personen, man sei schuldenfrei und habe genügend Platz, 20 Gäste unterzubringen.

Die WG praktiziere die Ökumene. Früher seien sieben Autos vor der Tür gestanden, heute nutze man gemeinsam einen Personenwagen und man komme aus damit. Die WG fahre gemeinsam in Urlaub, mit dabei seien Kinder und Enkel, die das gerne mitmachen, denn die Älteren finanzieren die Freizeit.

Eine Nagelprobe hatte die WG zu bestehen, als eine erst 50 Jahre alte Mitbewohnerin schwer erkrankte und im Lauf der Zeit pflegebedürftig wurde. Gemeinsam sei das weitere Vorgehen besprochen worden und alle hätten den Wunsch der totkranken Frau respektiert, dass sie in der WG bleibt, dort gepflegt wird und dort auch sterben will.

Bei der Pflege hätten alle mitgemacht, selbst die Männer. Diese Zeit der gemeinsam geschulterten Pflege der Mitbewohnerin habe die WG noch mehr zusammengeschweißt.

Heute, betonte Henning Scherf, sehe er ohne Angst den nächsten Jahren entgegen, selbst dem Sterben, das näher rücke. Derzeit schreibe er wieder ein Buch "Wie das Sterben in das Leben integriert werden kann". In Großstädten würden nur noch zehn Prozent der Menschen dort sterben, wo sie gelebt haben. Sein Buch soll kein "erhobener Zeigefinger" werden, nur bewusst machen, dass Leben kostbar sei. (gfr)
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